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Serie Knete, Krisen, Kompetenzen (6): Lehre oder Studium - auch eine Geldfrage

Serie Knete, Krisen, Kompetenzen (6) : Lehre oder Studium - auch eine Geldfrage

Keine drei Wochen mehr, dann ist schon wieder ein Schuljahr um. Wer nächsten Sommer den Abschluss macht, muss bald eine Wahl treffen: Ausbildung oder Studium? Und wie wirkt sich diese Entscheidung auf meine Finanzen aus?

Die Zeiten sind vorbei, als Eltern für ihre Kinder die Berufswahl trafen. Heute entscheiden die jungen Leute selbst - aber das ist gar nicht so leicht. Immerhin verbringt man einen Großteil des Tages mit dem Job. Da sollte die Arbeit (wenigstens meistens) Spaß machen, die Tätigkeit den eigenen Talenten und Fähigkeiten entsprechen - und genug Geld verdienen möchte man damit auch. Da stellt sich für viele Schulabgänger die Frage: Lieber eine Ausbildung machen und gleich von Beginn an eigenes Geld verdienen? Oder doch ein längeres Studium auf sich nehmen, um später vielleicht ein höheres Gehalt zu bekommen, dafür aber in der Zwischenzeit Studiengebühren zahlen und möglicherweise ein Darlehen nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (Bafög) vom ersten Geld abbezahlen müssen?

Um die Wahl zwischen Lehre oder Studium (und wie sich diese Entscheidung auf den Geldbeutel auswirkt) sowie weitere Themen geht es auch im Schulfach "Finanzkompetenz", das derzeit an zehn Schulen im Rhein-Kreis Neuss angeboten wird. Das Ziel: jungen Menschen Wissen über den Umgang mit Geld vermitteln. Möglich macht das ein Präventionsprojekt, das federführend und in Absprache mit anderen Sozialverbänden vom Neusser Sozialdienst Katholischer Männer (SKM) koordiniert wird. Die Volksbank Düsseldorf Neuss als Förderer präsentiert begleitend zum Unterrichtsprojekt die NGZ-Serie "Knete, Krisen, Kompetenzen".

Ganz wichtig ist es, sich vor der Entscheidung für einen Beruf erst einmal selbst zu befragen: Wer bin ich? Was kann ich? Wo liegen meine Interessen und Begabungen? Wo will ich hin? Und welche Voraussetzungen bringe ich dafür mit? Sowohl für ein Studium als auch für eine Ausbildung können viele gute Gründe sprechen - ebenso viele dagegen.

Es gibt Berufe wie Ärztin oder Rechtsanwalt, für die man studieren muss. In vielen Branchen werden hohe Positionen zudem nur an Hochschul-Absolventen vergeben. Oft verdienen Berufstätige mit Studienabschluss mehr als andere. Auch das Risiko, arbeitslos zu werden, ist mit Uni-Diplom geringer.

Auf der anderen Seite können bis zum Master oder Staatsexamen Jahre vergehen. Und ein Studienabschluss ist längst keine Garantie mehr dafür, dass die Absolventen eine Anstellung finden und viel Geld verdienen. Diese und andere Gründe halten vor allem Kinder aus Arbeiterfamilien immer noch häufig davon ab, ein Studium zu beginnen.

Dennoch haben sich im vergangenen Jahr mehr junge Leute in Deutschland an einer Hochschule eingeschrieben als eine Lehre angefangen. Dieser Trend zur "Akademisierung" hat dazu geführt, dass beispielsweise Handwerker sehr gefragt sind. Entsprechend gut sind hier die beruflichen Chancen. Wer ohnehin nicht gern zur Schule gegangen ist, vielleicht eher praktisch begabt ist oder sich für organisatorische Tätigkeiten interessiert, ist möglicherweise mit einer Berufsausbildung besser beraten. Und ob der Wunschberuf wirklich zu einem passt, kann man bei einer Ausbildung schnell herausfinden.

Weiterer Pluspunkt: Während Studenten auf die finanzielle Unterstützung ihrer Eltern angewiesen sind oder BaföG-Schulden anhäufen, trifft auf dem Konto von Lehrlingen schon vom ersten Monat an regelmäßig Geld ein. Das Gehalt steigt während der Ausbildung von Jahr zu Jahr und erhöht sich nach dem Abschluss noch einmal.

Außerdem bieten viele Betriebe und Unternehmen die Möglichkeit, sich fortzubilden und höhere Qualifikationen zu erreichen. Wer beispielsweise den Meister oder Techniker macht, kann sich später mit einem eigenen Betrieb selbstständig machen. Und wer dann noch studieren möchte, kann das immer noch tun - und kann sein Studium unter Umständen deutlich stressfreier finanzieren. Denn dank der Ausbildung lässt sich leichter ein besser bezahlter Teilzeitjob finden kann, der das Studium finanziert - wenn man nicht schon im ersten Job Geld dafür gespart hat.

(NGZ)