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Neuss: Lebenslang lernen

Neuss : Lebenslang lernen

Neuss Ein erwartetes Wirtschaftswachstum von 2,4 Prozent und dazu täglich 1200 Deutsche, die einen Job finden - Ökonomen-Herz, was willst Du mehr? Doch eitel Sonnenschein herrscht bei den Unternehmen nicht.

Das machte am Mittwoch das neunte Forum Aus- und Weiterbildung deutlich, das die Industrie- und Handelskammern (IHKs) Mittlerer Niederrhein und Düsseldorf im Neusser Zeughaus auf die Beine gestellt hatten.

Aus- und Weiterbildung im Blick (v. l.): IHK-Präsident Wilhelm Werhahn, Heinz Schmidt, Chef der Schmidt-Gruppe, und Moderatorin Beate Kowollik. Foto: Lothar Berns

"Der Aufschwung ist da - der Fachkräftemangel auch?", so lautete die Leitfrage, die Fachleute aus Theorie und Praxis beantworteten. Wilhelm Werhahn aus Neuss, IHK-Präsident am mittleren Niederrhein, brachte das Dilemma auf den Punkt: "Es ist nicht ungewöhnlich, dass man für einen Finanzbuchhalter einen Headhunter braucht."

Werhahns Düsseldorfer Amtskollege Hermann Franzen erblickte gravierende Lücken beim verfügbaren Personal im technischen Bereich ("Ingenieure fehlen an allen Ecken und Kanten") sowie in der Informationstechnologie ("obwohl die Kinder und Jugendlichen fit am Computer sind wie nie").

Moderiert von Beate Kowollik, erörterten die Kammerpräsidenten die Lage auf dem Arbeits- und Weiterbildungsmarkt. Werhahn und Franzen sind sich einig: Die Zeit der Lebensstellung in einem einzigen Unternehmen ist vorbei, lebenslanges Lernen dagegen gefragt wie nie.

Als "völlig richtig" beantwortete Werhahn die Frage, ob der Engpass bei den Fachkräften nicht vorherzusehen gewesen sei. "Die IHK hat immer wieder zur Ausbildung aufgerufen und vor dem Mangel gewarnt. Manche habe nicht darauf gehört und jetzt Schwierigkeiten", so der Neusser.

Sein Düsseldorfer Amtskollege bezog beim Thema "Bildung" auch die älteren Arbeitnehmer ein: "Weiterbildung hört nicht mit 45 Lebensjahren auf. Ich habe die Frühverrentung nie verstanden." Aber nicht das Alter, sondern die Erfahrung sei das Privileg des Unternehmensseniors.

"Er muss stets auf Augenhöhe mit den Jüngeren sein und bereit, sich weiterbilden zu lassen", hieß es. Franzens Devise ist klar und deutlich: "Wissen und Kenntnis sind bares Vermögen, und um es zu vermehren, muss man sich mehr aneignen.

Das ist eine Investition in die Zukunft." Öffentliche Zuschüsse seien dafür kaum nötig. "Der Staat soll die Finger davon lassen, das kann die Wirtschaft allein", sagte der Düsseldorfer IHK-Präsident und verwies auf den erfolgreichen Ausbildungspakt.

Wilhelm Werhahn schlug in die gleiche Kerbe: "Vom Staat würde ich gar nicht so viel erwarten. Das Meister-BaföG zum Beispiel ist schön, aber keineswegs das Wesentliche."

Wie das Wesentliche bei der Aus- und Weiterbildung aussieht, erläuterten schließlich zwei ausgewiesene Experten: Heinz Schmidt aus Mönchengladbach, geschäftsführender Gesellschafter der Schmidt-Gruppe, und Hilmar Schneider aus Bonn, Direktor Arbeitsmarktpolitik beim Institut zur Zukunft der Arbeit.

Nach ihren Referaten standen die Bühnen im Saal und im Foyer ganz im Zeichen aktueller Diskussionen. Da ging es um die Fördermöglichkeiten für die berufliche Weiterbildung genauso wie um die Bewerbungsverfahren in den Unternehmen.

Das Projekt "Schule-Wirtschaft", die allgemeine Berufsausbildung sowie die Weiterbildungsberatung standen bei einem Nebenforum im Blickpunkt. Rund 30 Weiterbildungsinstitute nutzten den IHK-Treff zur Präsentation in eigener Sache. Die Schlagworte auf den Informationswänden sprachen Bände.

Sie reichten vom Slogan "Mehr Chancen im Beruf" bis zum Motto "Der kurze Weg zum neuen Job". Auch Sprachtrainings und Studiengänge neben der Erwerbstätigkeit stießen auf das Interesse der zahlreichen Besucher.

(NGZ)