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Pomona: Leben zwischen Stadt und Wald

Pomona : Leben zwischen Stadt und Wald

Die Kita „Am Baldhof“ ist Mittelpunkt und Treffpunkt der Pomona. Die Kinder dort kommen aus 20 Nationen - und spiegeln so den bunten Mix in dem Viertel wider.

„Tiger“, „Schmetterlinge“ und „Libellen“ sausen umher. Insgesamt sind es 56 Bewohner von zwei bis sechs, die die integrative Kindertagesstätte der Lebenshilfe „Am Baldhof“ von 7.30 bis 16.30 Uhr mit Leben und internationalem Flair füllen. „Die zahlreichen Herkunftsländer der Kinder und unterschiedlichen Einkommensverhältnisse der Eltern hier spiegeln den Mix in der Pomona wider“, findet Cordula Arndt. Ihre Tochter Judith war 2007 eines der ersten U3-Kinder in der Einrichtung; heute ist sie sechs Jahre alt und besucht im Sommer die Grundschule.

Mit ihr im Elterncafé der Kita sitzen Christina Seifert, Rocio Boo aus Spanien - ihr Mann ist Italiener -, Anna Wittek aus Polen und Cinar Luleci aus der Türkei. Sie lebt seit 16 Jahren in dem Viertel südlich der S-Bahn und arbeitet als Hauswirtschaftlerin in der Kita „Am Baldhof“, die ihre vier Kinder alle besucht haben. „Wir wohnen stadtnah und trotzdem ruhig, haben Auto- und S-Bahn vor der Haustür, aber hören nichts davon - und Hochhäuser gibt es keine“, so beschreibt sie die Pomona. Der Name geht auf die Obstgärten zurück, auf denen das Wohngebiet entstand.

Gärten gibt es in dem Viertel genug. „Die Schrebergartenanlage an der S-Bahn lockt auch Neusser aus anderen Stadtteilen“, sagt „Schrebergärtnerin“ Cordula Arndt. Wer?s noch ruhiger und naturnäher braucht, streift durch den Reuschenberger Wald. Auch die, die Trubel und Annehmlichkeiten der City schätzen, brauchen kein Auto - in einer Viertelstunde ist man zu Fuß in der Innenstadt - und Einkaufen können Cordula Arndt und die anderen auch in der Pomona: Seit Ende der 50er ist um den Konrad-Adenauer-Ring ein Gewerbegebiet mit heute rund 100 Firmen entstanden. Unter anderem befinden sich dort Supermärkte, ein Elektronik-Markt, aber auch Autohäuser und die Neuß-Grevenbroicher Zeitung. Was fehlt, sind Arztpraxen und Apotheken oder ein Jugendtreff. Das finden die Bewohner im benachbarten Dreikönigenviertel. Die meisten Kinder, die die Tagesstätte „Am Baldhof“ besuchen, leben in der Pomona. „Dadurch haben wir eine sehr enge Gemeinschaft - man kennt sich gut und hilft sich“, erzählt Leiterin Gabriele Weber.

Das Gleiche gilt für das gesamte Wohngebiet. „Wenn jemand schwanger ist, spricht sich das sofort herum“, erzählt Christina Seifert. „Und wer jemanden braucht, findet schnell helfende Hände.“ Dabei bleiben Mütter nicht unter sich, sondern bekommen auch von der älteren Generation, die stark in der Pomona vertreten ist, Unterstützung. „Bei unserer Neueröffnung hatten wir einige ältere Damen und Herren aus der Nachbarschaft zu Gast - sie freuen sich über das junge Leben bei uns“, sagt Gabriele Weber. Seit 16 Jahren betreut sie behinderte und nichtbehinderte Kinder, serviert täglich vollwertiges Mittagessen - manchmal dürfen die Kinder auch russische, afrikanische oder andere internationale Gerichte probieren - und bietet ihnen mit ihren Kolleginnen ein vielseitiges Programm. Dazu gehören eine „Forscherecke“ für Physik-Experimente, Meditation, Tanzen - und Ausflüge.

Heute reisen die Älteren ins „Zahlenland“. Dort lernen Tiger, Schmetterlinge und Libellen die Welt der Mathematik kennen.