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Neuss: Leben retten im Ratssaal

Neuss : Leben retten im Ratssaal

Beim siebten Blutspendemarathon kamen am Donnerstag wieder hunderte Lebensretter ins Rathaus. Viele Erstspender sprangen über ihren Schatten und gaben trotz Angst vor der Nadel ihr Blut.

Beim siebten Blutspendemarathon kamen am Donnerstag wieder hunderte Lebensretter ins Rathaus. Viele Erstspender sprangen über ihren Schatten und gaben trotz Angst vor der Nadel ihr Blut.

Wo sonst wichtige politische Entscheidungen gefällt werden, liegen am Ddonnerstag zahlreiche Menschen mit Kanülen im Arm. Wirklich verletzt wird aber keiner beim siebten Blutspendemarathon im Rathaus. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter, die teilweise schon seit über 20 Jahren bei Blutspende-Aktionen mithelfen, sind so routiniert, dass kaum etwas passiert.

"Bei den vielen Spendern, die hierher kommen, gibt es immer mal einen, der plötzlich umkippt. Das ist aber völlig normal", erzählt Berhardine Zeck (74), die zehn Jahre Erfahrung hat. Kommt es zum Kollaps, liegt es meistens daran, dass Spender zu wenig getrunken oder gegessen haben. Wenn dann aber erst einmal die Beine hochliegen, ein Waschlappen die Stirn kühlt und ein Schluck Cola getrunken wurde, gehe es dem Spender bald wieder gut.

Drei Ärzte, 18 Ehrenamtliche und 28 Mitarbeiter des DRK-Blutspendedienstes West betreuten gestern von 10 bis 19 Uhr die zahlreichen Spender. Die gebürtige Ukrainerin Anastasia Bieliakova war eine von ihnen und spendet auch in ihrer Heimat regelmäßig Blut.

"Hier sind alle aber viel netter", ist sie von dem Service des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) begeistert, der sich vor allem über Anastasias seltene Blutgruppe freut. Den Typus AB haben nur etwa fünf Prozent der Menschen in ganz Deutschland. Damit den Spendern auch wirklich nichts passiert, müssen diese bei den Angaben des Gewichts und Gesundheitszustands absolut die Wahrheit sagen. Wer noch nicht 18 Jahre alt ist oder weniger als 50 Kilogramm wiegt, darf von vornherein nicht teilnehmen. Manchmal überschätzen sich die Spender auch selber: "Einmal kam nach der Blutabnahme eine Frau auf mich zu, die felsenfest davon überzeugt war, dass es ihr gut geht. Eine Sekunde später fiel sie mir ohnmächtig in die Arme", berichtet Team-Helferin Berhardine Zeck.

Es sei gut, dass es bei diesem Blutspendemarathon vor allem viele Erstspender als ihre Verpflichtung ansähen, Blut zu spenden, sagt Leiterin Rosemarie Richter. Dass es insgesamt viel zu wenig Blut gibt, wird am Beispiel der Düsseldorfer Uniklinik deutlich. Selbst diese hat nicht genügend eigene Blutreserven, obwohl es dort für jede Spende eine finanzielle Entschädigung gibt.

Holger Klemp opfert sogar seine Mittagspause, um sich die 500 Milliliter Blut abnehmen zu lassen. "Ich finde, die Zeit ist dann gut genutzt, und außerdem kann ich mir danach sicher sein, dass mit meinem Blut auch alles stimmt", sagt er, während sich die Blutkonserve langsam füllt. Sollte bei den anschließenden Laboruntersuchungen nämlich zum Beispiel eine HIV-Infektion festgestellt werden, wird der Spender darüber umgehend informiert.

Sonja Kriwet spendet zum ersten Mal und hat eigentlich große Angst vor Spritzen. "Es ist hier leichter, weil es ja freiwillig ist, da ist man nicht gezwungen wie beim Arzt", begründet sie ihr selbstloses Verhalten.

Das Blut wird nach der Abnahme direkt gekühlt und in die Blutspendezentrale nach Breitscheid gebracht. Dort wird es dann umfangreich getestet und auf die Krankenhäuser verteilt, wo es hauptsächlich von Krebspatienten und bei Operationen benötigt wird. Das Ziel des DRK-Teams war, mindestens 400 Spender zu erreichen. Mit dem Ergebnis von331 waren sie nach langen neun Stunden trotzdem nicht unzufrieden.

(RP)