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Der NRW-Arbeitsminister zu Gast: Laumann und die Lehrlinge

Der NRW-Arbeitsminister zu Gast : Laumann und die Lehrlinge

Der Grevenbroicher Federnhersteller FWG-IHW war gestern Station der Ausbildungsreise von NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann. Das Thema seines Trips lautet: "Ausbildung gegen Fachkräftemangel – gerade in der Krise".

Der Grevenbroicher Federnhersteller FWG-IHW war gestern Station der Ausbildungsreise von NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann. Das Thema seines Trips lautet: "Ausbildung gegen Fachkräftemangel — gerade in der Krise".

Grevenbroich Ein Mann feinsinniger Diplomatie ist Karl-Josef Laumann nicht. Wenn den bulligen NRW-Arbeitsminister mit den eisblauen Augen etwas ärgert, dann gerät er gleich ins Poltern. Das muss Doris Schillings gestern bei der Firmenvisite des CDU-Politikers beim Grevenbroicher Federnhersteller FWG-IHW schmerzlich erfahren. Nachdem die operative Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Mönchengladbach die Lehrstellensituation in der Region vorgestellt hat, fährt ihr der NRW-Minister wie eine Dampfwalze in die Parade.

"Wir haben ein Ausbildungsproblem", grantelt der Minister sichtlich genervt. Trotz eines immensen Bewerberüberschusses konnten nicht die noch offenen 1000 Ausbildungsplätze besetzt werden. Das müsse sich ändern, so Laumann, der die mühsam von Werbestrategen zur "Agentur für Arbeit" umgestylte Behörde schlicht und ungeschönt gleich mehrfach als "Arbeitsamt" abkanzelt.

Im Rahmen einer Ausbildungstour mit dem Titel "Ausbildung gegen Fachkräftemangel — gerade in der Krise" reist Laumann derzeit durch das Land. Von der Größe der Probleme konnte er sich bei FWG-IHW an der Lise-Meitner-Straße überzeugen.

In den dortigen Betriebshallen wird noch gearbeitet wie früher: Öl-verschmierte Mitarbeiter stehen an gusseisernen Maschinen, es regnet Funken, wenn orange-glühende Federn im Wasserbad abgekühlt werden. Die Größe der Federn variieren von der haarfeinen Feder, von der 3000 in ein Puddingschälchen passen, bis zur stählernen Monsterspirale, die nur unter metallischem Kreischen gebogen werden kann.

Trotz des Erfolgs blickt FWG-Geschäftsführer Manfred Albrecht stets ein wenig traurig. "Viele Azubis, die eine zweijährige Ausbildung zum Federmacher begonnen haben, haben abgebrochen", sagt er. Ein Großteil der Beschäftigten sei angelernt. Dabei gebe die Firma allen, die die Lehre "einigermaßen vernünftig überstehen", eine Übernahmegarantie. Albrecht klagt, dass es künftig sogar schwer werden könnte einen Betrieb zu finden, zu dem er seine Lehrlinge für den Grundkursus Metall schicken kann. Die Aufgabe hatte früher Hydro übernommen.

Laumann kennt das Problem. "Die zweijährigen Ausbildungsgänge seien generell etwas schwieriger", so der NRW-Minister, der nun etwas verständnisvoller blickt. Laumann appelliert auch an IHK und Handwerkskammer alle Anstrengungen für die jungen Menschen ohne Lehrstelle zu unternehmen. Bei der Visite durch den Betrieb wechselt der Minister ein paar Worte mit den Beschäftigten. Die Laune des Ministers ist jetzt besser.

Einmal kann der Minister sogar herzhaft lachen. Als Grevenbroichs Bürgermeister Dr. Axel Prümm für die "Bundeshauptstadt der Energie" wirbt, und davon erzählt, dass die Verwaltung einige schwarz-rot-golden lackierte FWG-Federn als Schirmständer aufgestellt habe, da bricht es aus Laumann heraus, als sei ihm Horst Schlämmer persönlich begegnet.

(RP)