Lange Nacht der Industrie im Rhein-Kreis Neuss ein Erfolg

Lange Nacht der Industrie im Rhein-Kreis Neuss: Industrie gewährt spannende Einblicke

Insgesamt 31 Unternehmen aus dem IHK-Bezirk Mittlerer Niederrhein haben bei der „Langen Nacht der Industrie“ am Donnerstagabend ihre Pforten für Besucher geöffnet. Sie gewährten Einblicke und stellten ihre Betriebsstätten vor.

Die „Lange Nacht der Industrie“, am Donnerstag zum achten Mal an Rhein und Ruhr angeboten, entwickelt sich immer mehr zu einer gigantischen Erfolgsgeschichte. 93 Unternehmen nahmen teil, davon allein 31 aus dem IHK-Bezirk Mittlerer Niederrhein. Sieben Neusser Unternehmen beteiligten sich in diesem Jahr, 13 Busse warteten auf dem Neusser Kirmesplatz, um die rund 600 Teilnehmer zu den Unternehmen zu fahren.

Die Teilnehmerplätze sind begrenzt, weit mehr Anmeldungen waren beim Organisationsbüro eingegangen. Bereits zum siebten Mal war die Neusser Ölmühle Sels beteiligt. Für das Unternehmen interessierten sich rund 70 Besucher, die von Geschäftsführer Julian Sels mit einem kurzen historischen Rückblick begrüßt wurden. Seit 1890 besteht das Unternehmen an der Düsseldorfer Straße. Rund 900.000 Tonnen Saatgut, heute ausschließlich Raps, werden pro Jahr von 75 Mitarbeitern rund um die Uhr gehandelt. Daraus werden rund 400.000 Tonnen Rohöl im Jahr produziert (= 750 Liter pro Minute), 300.000 Tonnen Raffinat und 500.000 Tonnen Rapsschrot. Rohöl hat vielfältige Einsatzmöglichkeiten und wird unter anderem zur Herstellung von Biodiesel genutzt.

Bei Innogy/Westnetz erklärte Kabelmesstechniker Manuel Kuder den Einsatz des Kabelmesswagens. Foto: Georg Salzburg(salz)

Das Raffinat geht in die Küchen der Welt oder zur Weiterverarbeitung in Margarine oder Mayonnaise. Der hochwertige Rapsschrot wird von der Futtermittelindustrie geschätzt. Nachdem Laborleiter Uwe Großpietsch über Produktionsvoraussetzungen wie etwa die Bestimmung des Ölgehaltes in konkreten Messverfahren informiert hatte, wurden die Besucher in zwei Gruppen unter Leitung von Julian Sels und des kaufmännischen Geschäftsführers Fred de Bruin zu einem Rundgang über das ausgedehnte Werksgelände eingeladen.

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Da Sels in vier Schichten rund um die Uhr produziert, waren die Abläufe, etwa in der gewaltigen Extraktionsanlage, live zu erleben. Julian Sels hatte sich zu Beginn seiner Ausführungen kritisch mit der „überstürzten“ Energiewende befasst. Dazu passte der Blick hinter die Kulissen der größten Neusser Umspannanlage, die „Westnetz“ als Teil von „innogy“ an der Memeler Strasse betreibt. Thomas Walkiewicz, Leiter des Regionalzentrums Neuss, ließ die Besucher (aus Sicherheitsgründen zwei Gruppen mit je 30 Teilnehmern) zunächst über gewaltige Zahlen staunen: 182.000 Kilometer Stromnetz und 24.000 Kilometer Gasnetz. Nach dem theoretischen Teil folgte ein praktischer: Die Teilnehmer erlebten einen simulierten Kurzschluss und die gewaltige Manpower – in Neuss beschäftigt Westnetz 350 Mitarbeiter –, die dann anläuft. Florian Breuer gab einen Überblick über die Funktion der Schalthäuser: Hoch interessant der Vergleich des 100 Jahre alten unter Denkmalschutz stehenden Backsteingebäudes mit dem modernen Nachfolger: In den Umspannanlagen wird der Strom von Hochspannung (110.000 Volt) auf Mittelspannung (10.000 Volt) zur Verteilung an die Ortsnetzstationen oder Industriekunden transformiert.

Mindestens ebenso attraktiv fanden die Besucher auch die Fahrt mit dem Steiger auf 26 Meter Höhe. Für Fragen stand Westnetz-Ausbildungsleiter Michael Engels zur Verfügung. Der Neusser Veit Hering (53) hatte beide Unternehmen besucht und betonte: „Außergewöhnlich, mit welcher Offenheit die Firmen einen tollen Einblick gewährt haben.“

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