Neuss: Landwirtin ist heute auch eine Managerin

Neuss : Landwirtin ist heute auch eine Managerin

Juliane Wahode arbeitet in einem Beruf, der sich deutlich gewandelt hat. Auf ihrem Bongartzhof bei Röckrath setzt sie auf Hof-Management.

Sie sind zwar noch etwas klein, aber sie schmecken schon richtig süßlich. "Erntereif sind die Erbsen allerdings noch nicht. Das wird noch ein paar Tage dauern", sagt Juliane Wahode und zeigt den Inhalt einer Erbsenschote. Das Feld mit dem Gemüse liegt direkt vor ihrer Haustüre - am Gut Bongartzhof, kurz vor der Stadtgrenze hinter dem Örtchen Röckrath. "Bis heute sind wir für die Ernte sehr stark vom Wetter abhängig", erzählt die 57-Jährige von einem der wenigen Dinge, die sich in den vergangenen Jahrzehnten im Leben der Bäuerinnen nicht verändert haben.

Juliane Wahode ist auf dem Bongartzhof aufgewachsen und heute eine der wenigen Landwirtinnen im Stadtgebiet, die ihren Hof selbst bewirtschaften. Ihr Mann hat damit nichts zu tun, er ist in der Medizin-Branche tätig. Während ihre Mutter als Bäuerin täglich kräftig mitanpacken musste, dreht sich bei Juliane Wahode inzwischen alles verstärkt ums gute Management, ums richtige Wirtschaften.

"Heute ist der Hof ein reiner Ackerbaubetrieb. Getreide, Zuckerrüben, Kartoffeln und Freilandgemüse sind die Dinge, die hier angebaut werden. Früher war das anders. Da gehörten auch Kühe und Hühner zum Betrieb", erinnert sich Juliane Wahode an ihre Kindheit.

Den Hof eines Tages zu übernehmen, kam für sie zunächst nicht unbedingt in Frage. Genau wie ihre jüngere Schwester ist sie ihren eigenen Weg gegangen und hat ein Landwirtschafts-Studium in Bonn absolviert, später sogar im Fach Landtechnik promoviert. Die Landwirtschaft begleitete sie während dieser Zeit permanent: "Ich habe zwischenzeitlich unter anderem auch für die Landwirtschaftskammer gearbeitet", erzählt sie.

In den 1990er Jahren entschloss sie sich doch, in das Unternehmen Bauernhof einzusteigen. "Ich wollte als Unternehmerin selbstständig aktiv werden", sagt sie. Seit 1999 führt Wahode den Bongartzhof komplett. Hinzugekommen ist später auch noch eine zweite Anlage bei Titz-Rödingen. Von Kühen oder Hühnern ist heute jedoch keine Spur mehr: Der Hofbetrieb habe sich in den vergangenen 30 Jahren zunehmend auf Ackerbau spezialisiert. "Relativ früh habe ich mich dann entschieden, den Betrieb partnerschaftlich mit mehreren Landwirten aus dem Umkreis zu führen", sagt Wahode, die sich auch bei der Kreisbauernschaft Neuss-Mönchengladbach engagiert.

Im digitalen Zeitalter angekommen, sitzt sie heute eher selten selbst auf dem Traktor. "Für unsere Maschinengemeinschaft übernehme ich vor allem verwaltende Aufgaben, führe Verhandlungen oder bin im Ein- und Verkauf tätig", schildert die 57-Jährige ihren Arbeitsalltag. Die Ernte an sich übernehmen häufig ihre Partner aus der Maschinengemeinschaft, zu der mehrere Hundert Hektar gehören.

"Solche Partnerschaften gab es früher in der Form, wie sie heute bestehen, nicht", sagt die Landwirtin, die auch von einer starken Technisierung spricht. "Im Gegensatz zu meinen Eltern haben wir heute die Möglichkeit, dank modernster Technik viel präziser zu arbeiten." Juliane Wahode will aber nicht so weit gehen und behaupten, dass das Leben der Bauern viel einfacher geworden ist: "Die Witterung bereitet uns immer wieder die größten Sorgen", sagt sie.

(NGZ)
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