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Neuss: Landwirte haben im Sommer keine Ferien

Neuss : Landwirte haben im Sommer keine Ferien

Der Neusser Landwirt Oliver Hilden kann derzeit nicht an Urlaub denken. Ihm geht es wie viele Bauern: Er steckt mitten in der Ernte.

Morgens ausschlafen und gemütlich in den Tag hineinleben — in den Sommerferien für viele ein Standard. Doch davon kann Landwirt Oliver Hilden vom Bergerhof nur träumen. Und zwar bis genau 6.30 Uhr, denn dann klingelt sein Wecker. "Die Ernte ruft", sagt der 40-jährige Ackerbauer humorvoll. Weil sich die Erntezeit durch den langen Winter leicht verzögert hat, fällt diese nun ausgerechnet in die sechs Wochen, in der eigentlich der Familienurlaub auf dem Plan stand.

Weizen, Gerste, Raps und Grünerbsen lassen ihn vorerst kaum an Urlaub denken: "Der Erntezeitpunkt ist entscheidend", sagt der Landwirt, der den Familienbetrieb an der Kapellener Straße bereits in der dritten Generation führt. Als Landwirt muss er sich besonders nach dem Wetter richten — denn das Getreide darf einen bestimmten Feuchtigkeitsgrad nicht überschreiten: "Wenn das Weizen erntereif ist und für den nächsten Tag Regen angesagt ist, müssen wir das Korn manchmal bis in die späten Abendstunden dreschen", sagt Hilden.

Doch in diesem Jahr ist alles gut gegangen. "Wir hatten Glück mit dem Wetter — und konnten Weizen sowie Gerste trocken vom Feld holen." Über 95 Hektar Land hat der gebürtige Neusser jedes Jahr zu bewirtschaften. "Gute Koordination ist dabei das A und O", sagt der Vater von drei Kindern, bei dem sich seit gestern alles um eins dreht: um die Raps-Ernte. Denn im Gegensatz zu den anderen Kulturen kann er die Schoten nicht selbst ernten: "Dafür muss ich einen Lohnunternehmer beauftragen, weil dafür ein spezieller Aufsatz am Mähdrescher nötig ist", erläutert Hilden, bei dem die Spannung mit jeder Stunde zeigt. "Immerhin ist eine gute Ernte der Lohn für ein ganzes Jahr Arbeit."

Fünf Tonnen Raps sollen es in diesem Jahr werden. Gesät hat er die gelb blühende Pflanze schon vor rund elf Monaten. Was die Ernte so knifflig macht? "Auch hier muss ich den perfekten Reifegrad erwischen. Dabei reifen die Schoten am unteren Teil der Rapspflanze nicht so schnell wie die am oberen Teil", erzählt Hilden, der den Raps auf einem Feld bei Gohr angebaut hat.

Von großer Bedeutung sei außerdem ein ausgewogener Feuchtigkeits- und Ölgehalt im Raps. "Den kann ich bei einer Handprobe feststellen. Wenn die Werte stimmen, müssen Geräte vorbereitet und das gesamte Erntegut auf einer Fläche von 17 Hektar eingeholt werden."

Viel Zeit für einen Urlaub mit Frau und Kindern bleibt ihm da nicht mehr: "Entweder buchen wir eine Last-Minute-Reise oder verbringen die letzten Ferienwochen in Urlaubsorten der Region", sagt Hilden, der seinen Beruf aber trotz des stressgeprägten Sommers liebt.

(NGZ)