Landtagswahl in Neuss Die Kandidaten und ihre Plakate

Neuss · Wenn am kommenden Samstag ab 8 Uhr Plakate aufgehängt werden dürfen, beginnt die heiße Phase im Landtagswahlkampf. So stellen sich die Kandidaten in Neuss auf.

 Jörg Geerlings (CDU) setzt auf Plakate, die keine Slogans transportieren, sondern Schlagworte, die für persönliche Eigenschaften stehen.

Jörg Geerlings (CDU) setzt auf Plakate, die keine Slogans transportieren, sondern Schlagworte, die für persönliche Eigenschaften stehen.

Foto: Christoph Kleinau

Einen Grünstich sucht man vergeblich in den Plakatmotiven von Arno Jansen. Dafür kam die Entscheidung der Neusser Grünen, die Kandidatur des SPD-Politikers für den Landtag mit einer Erststimmenkampagne zu unterstützen, denn doch zu spät. Dafür setzt Jansen wieder auf Feuerrot. Die Zeiten, in denen SPD-Matadore den Hinweis auf ihre – lange schwächelnde – Partei gerne klein hielten, scheinen vorbei.

 Arno Jansen (SPD) hat vier thematische Plakate entwickelt. Ihre Botschaft bringt er mit eingängigen Slogans zum Ausdruck.

Arno Jansen (SPD) hat vier thematische Plakate entwickelt. Ihre Botschaft bringt er mit eingängigen Slogans zum Ausdruck.

Foto: Andreas Woitschützke

Und die SPD will es wissen. Wenn am Samstag (2.) ab 8 Uhr Plakate aufgehängt werden dürfen, mit denen dann auch die heiße Phase im Landtagswahlkampf beginnt, wollen die Sozialdemokraten groß auftrumpfen: 2000 (von 5950 genehmigten) Plakaten hängen alleine sie auf, doppelt so viele wie die CDU mit ihrem Frontmann Jörg Geerlings oder die FDP mit ihrem Vorsitzenden Thomas Schommers – und 2000 Mal mehr als die Grünen. Die verzichten wie schon bei der Bundestagswahl ganz auf solchen „Laternenschmuck“, haben aber auch – nach dem faktischen Wahlverzicht ihrer Kandidatin Susanne Benary – eigentlich keinen Grund mehr zu dieser Art von Wahlkampf. Die Grünen haben allerdings nach Auskunft der Stadt sechs von 60 Großplakaten, den so genannten Wesselmännern, für sich reklamiert. Zum Vergleich: CDU 23, SPD 25 und FDP Null.

Die Zahl der Plakate ist das eine, die Botschaft das andere. Die fällt bei Jörg Geerlings knackig aus. Statt Wahlslogans zu plakatieren, setzen er und sein Team bei allen vier Motiven auf Schlagworte, die für persönliche Eigenschaften stehen: „Mitten im Leben“ oder „Familienmensch“ – was Geerlings wichtig ist. „Tatkräftig für Neuss“ wiederum ließe sich problemlos auch mit dem füllen, was er als Wahlkreisvertreter für Neuss erreichen konnte. Und einmal mehr empfiehlt sich Geerlings als Experte für Innere Sicherheit. Das Schlagwort „Klare Kante“ bringt Anspruch und Haltung auch in seiner vierten Landtagskampagne auf den Punkt.

Anders entschieden hat sich der 2017 unterlegen gebliebene Herausforderer Arno Jansen. Seine Slogans brauchen keine Interpretation. „3 Zimmer, Küche, bezahlbar“ heißt: mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen. „Anlieger beitragsfrei“ steht für die Abschaffung der Straßenausbaubeiträge und „Tablet statt Tafel“ soll in den Schulen das Ende der „Kreidezeit“ einläuten. Und mit „Weniger zahlen von NE nach D“ geht es nicht nur um die Abschaffung der Tarifwabe 521, sondern um Mobilität insgesamt. Ein Thema, dem unlängst auch die Neusser CDU einen eigenen Stadtparteitag widmete.

Übereinstimmungen gibt es aber auch in der Art der Kampagne und der Wahl des Werbematerials. Das muss für beide aus recycletem Material und recyclingfähig sein – auch wenn Jansen gerne betont, dass seine Kugelschreiber nichts zum Naschen sind, obwohl sie auf Zuckerrohrbasis hergestellt sind. Neben Plakaten und Infoständen setzen die Kandidaten auch auf Treffen mit Experten und Bürgergespräche. Die heißen bei der SPD Dialogveranstaltungen und bei der CDU „Zuhörtour“. Und beide bekommen noch prominente Wahlkampfunterstützung. Ministerpräsident Hendrik Wüst hat zugesagt und kommt voraussichtlich am 6. Mai zur Neusser CDU, während die SPD ihren Spitzenkandidaten Thomas Kutschaty schon am 26. April erwartet.

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