Landrat will Wohnbau-GmbH gründen - Neusser CDU-Politiker lehnt sie ab

In Neuss formiert sich Ablehnung : Sahnen weist die Kreis-Idee einer Wohnbau-GmbH zurück

Die seit Jahren im Kreishaus favorisierte Idee einer neuen Wohnungsbaugesellschaft stößt in Neuss weiterhin auf große Skepsis. Auch der erneute Vorstoß von Landrat Hans-Jürgen Petrauschke (CDU), der sich in seiner Haushaltsrede kurz vor Weihnachten für einen „neuen Akteur am Wohnungsmarkt“ stark gemacht hatte, findet in Neuss keine Unterstützer.

Selbst Petrauschkes Parteifreund Heinz Sahnen (72) erteilt eine Absage: „Wir benötigen neue Wohnungen und keine neue Gesellschaft.“ Das habe er dem Landrat auch persönlich am Rande des Neujahrskonzertes in der Neusser Stadthalle gesagt.

Die ablehnende Haltung von Heinz Sahnen wiegt schwer. Der Sozialpolitiker hat mit den Jahren den Beton lieben gelernt. Er war wohnungsbaupolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, ist Ratsherr in Neuss und dort Vize-Vorsitzender der kommunalen Bauverein AG. Er kann auch Kreis: Das hat Sahnen in 15 Jahren als Chef der CDU-Kreistagsfraktion (1989 bis 2004) bewiesen. Sein Hauptargument, das er gegen eine (Kreis-)Wohnungsbaugesellschaft anführt: „Wer Wohnungsbau betreiben will, benötigt Grundstücke und der Rhein-Kreis verfügt über keinen einzigen Quadratmeter.“ Er halte jedenfalls von der Kreisinitiative nichts.

Vor dem Hintergrund, dass kreisweit tausende von bezahlbaren Wohnungen fehlen, will Landrat Petrauschke über einen „neuen Akteur“ einen Impuls geben. Dazu hat er zwei Initiativen angeschoben. Im Etatentwurf des Kreises wurden drei Millionen Euro eingestellt, die dieser Wohnungsbaugesellschaft dienen sollen. Zudem beauftragte er den Verband der Wohnungsbauwirtschaft Rheinland-Westfalen, eine Studie zu erarbeiten, wie eine Wohnungsbaugesellschaft im Kreisgebiet „wirtschaftlich und effizient zur Bedarfsdeckung im preisgünstigen Wohn-Segment beitragen kann.“ Sahnen schlägt indes vor: Kommunen ohne eigenen Bauträger könnten mit Wohnbau-GmbH’s aus der Nachbarschaft kooperieren: „Der Neusser Bauverein wäre bestimmt gesprächsbereit.“

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