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Neuss: Landrat setzt Lärmschutz durch

Neuss : Landrat setzt Lärmschutz durch

Das Bürgerforum Elvekum kämpft seit zwei Jahren für einen Lückenschluss im Lärmschutzwall an der Bahnstrecke. Vor dem Gang zum Gericht baten die Bürger den Landrat um Hilfe. Mit Erfolg. Der Trick: Elvekum wird "Teststrecke".

Die Lärmschutzwand der Zukunft wird in Elvekum getestet. Transparent, C-förmig und nur zwei Meter hoch, soll sie die 104 Meter breit klaffende Lücke schließen, die zwischen einer Lärmschutzwand der Stadt und einem Neubau der Bahn offen zu bleiben drohte. Die Zusage vom Chef der Bahntochter DB Netz AG ist erst ein paar Tage alt, doch schon im April soll die Wand errichtet werden. Ein Glücksfall für viele Elvekumer westlich der Bahnstrecke, ein Teilerfolg für das Bürgerforum Elvekum, für das Christoph Diehm klarstellt: "Wir sind noch nicht fertig." Auch beim Lärmschutz auf östlicher Seite müsse nachgebessert werden.

Die Elvekumer leiden seit Jahren unter Lärm. Den verursachen die benachbarte Autobahn, das große Baumarktcenter am Ortsrand aber auch der Lärmschutzwall, den die Stadt zur Abschirmung der Neubausiedlung Allerheiligen aufwerfen ließ. Er wirkt wie ein Schallreflektor für den Umgebungslärm. Am meisten aber leidet der kleine Ort unter dem Lärm der Bahn, die das Dorf in zwei Teile zerschneidet.

Diesen Lärm will die Bahn, die in Neuss bis 2013 insgesamt – freiwillig – 7,5 Kilometer Lärmschutzmauern errichten wird, "einmauern". Doch seit Bekanntwerden dieser Pläne vor zwei Jahren war klar: In Elvekum bleibt eine Lücke. Um auch die zu schließen, hat das Bürgerforum fast nichts unversucht gelassen. Höhepunkt war eine Diskussions- und Informationsveranstaltung auf freiem Feld neben der Strecke, wo die Bürger ein selbst finanziertes Schallschutzgutachten präsentierten. Das dokumentiert nachts Spitzenwerte von über 90 und einen Dauerlärmpegel bei etwa 65 Dezibel. Zum Vergleich: Ab 85 Dezibel ist an gewerblichen Arbeitsplätzen Gehörschutz vorgeschrieben.

Sich kümmern und helfen wollten danach alle, sagt Herbert Hilgers vom CDU-Ortsverband Rosellen. Doch die Elvekumer mussten feststellen: Erreicht hat keiner was. Sie bereiteten sich schon darauf vor, gegen die Bahn zu klagen, als für einen letzten Versuch Landrat Heinz-Jürgen Petrauschke eingeschaltet wurde. "Der einzige", so Hilgers, " der gesagt hat, er könne wohl nichts tun." Er schrieb nach einem Ortstermin die für das Gleisnetz zuständige DB Netz AG an – und erhielt Antwort. Mit den Vorgaben der Lärmsanierungsrichtlinie sei der Lückenschluss nicht vereinbar, beschied ihm Vorstand Oliver Kraft , doch zeigte sich die Bahn findig: Man habe diesen "für die Erprobung einer innovativen Lärmschutzmaßnahme im Rahmen des Konjunkturprogrammes II angemeldet." Für die Westseite, aber die Lärmschutzwand auf der Ostseite kommt ja auch erst in 2013.

(NGZ)