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Neuss: Landgard ein Sanierungsfall

Neuss : Landgard ein Sanierungsfall

Der Straelener Blumen-, Obst- und Gemüsevermarkter mit Neusser NBV-Wurzeln hat 2011 ein Minus von 61,5 Millionen Euro eingefahren. Die Verbindlichkeiten steigen damit auf 350 Millionen. Ex-Vorstand nicht entlastet.

Von "schwierig" bis "katastrophal" reichten die Kommentare im Kevelaerer Konzert- und Bühnenhaus. Dort fand die außerordentliche Vertretersammlung der Landgard eG statt, die notwendig geworden war, weil der Jahresabschluss 2011 mehrfach verschoben werden musste.

Dafür jetzt der Schock: Der Vermarkter von Obst, Gemüse und Schnittblumen hat im vergangenen Geschäftsjahr ein dickes Minus eingefahren. Der Verlust beträgt laut dem neuen Vorstandsteam Gerold Kaltenbach und Jürgen Rosar 61,5 Millionen Euro. Womit die Verbindlichkeiten der Landgard eG auf 350 Millionen Euro ansteigen. Zu den Vorgängerunternehmen von Landgard gehörte unter anderem die Niederrheinische Blumenvermarktung (NBV) in Neuss. An der Hammer Landstraße erinnert ein großer, moderner Cash & Carry-Markt für Großhändler an die Neusser Landgard-Wurzeln.

Damit befindet sich die Genossenschaft in der schwierigsten Situation ihrer Geschichte, wie aus Kreisen des Aufsichtsrates zu hören ist. Als Grund nannte der Vorstand unter anderem die EHEC-Krise, Insolvenzen von Kunden sowie organisatorische und interne Defizite, die durch das schnelle Wachstum inklusive Zukauf weiterer Firmen entstanden seien. Ein strukturelles Defizit halt, weil Buchhaltung, Verwaltung, Organisation und Unternehmenssteuerung der Expansionsgeschwindigkeit nicht Stand halten konnten.

Doch der Vorstand sieht Licht am Ende des Tunnels. Denn bis 2016 sollen zehn Millionen Euro eingespart werden. Von Kosten- und Einkaufsoptimierungen ist da die Rede. Was konkret bedeutet, dass der Vermarkter sich derzeit in einem Sanierungsmodus befindet und mit den geldgebenden Banken einen Sanierungsvertrag geschlossen hat. Inhalt: 450 Einzelmaßnahmen, die vom Vorstand Punkt für Punkt abgearbeitet werden sollen.

Ebenfalls beschlossen hat die Vertreterversammlung, dass der im Juni ausgeschiedene Vorstand Henning Schmidt vorerst noch nicht entlastet wird. Offensichtlich will sich der Aufsichtsrat die Möglichkeit auf Regress offen halten. Außerdem votierte die Versammlung für eine Satzungsänderung. Danach verzichten die Mitglieder auf Mindestverzinsung ihrer Anteile. Sie betrug bis zu drei Prozent.

Vorstand Kaltenbach erleichtert: "Damit unterstreichen die Erzeuger ihre Solidarität mit dem Unternehmen und ihr Vertrauen in die Zukunft von Landgard." Künftig sollen neue Marktanteile gewonnen werden. Auch die Dienstleistungsfunktion zwischen Erzeugern und Kunden soll wachsen. Dann könnten 2013 wieder schwarze Zahlen geschrieben werden.

(NGZ/rl/url)