Neuss: Landesregierung ist Kunde der GWN

Neuss: Landesregierung ist Kunde der GWN

Seit den 1990er Jahren setzt die Landesregierung bei Broschüren und Büchern auf die Dienste der GWN. Ein Ortsbesuch am Henselsgraben.

Auf dem Weg in sein Büro lacht Dieter Wendlinger kurz auf. "Ja, Fußball ist ein großes Thema bei uns im Haus", sagt der 55-Jährige. Wendlinger leitet die Betriebsstätte der Gemeinnützigen Werkstätten Neuss (GWN) am Henselsgraben. In die erste Etage, in der er sein Büro hat, führen zwei Treppenhäuser. Im ersten säumen die Vereinswappen der 18 Fußball-Bundesligisten die Wände, im zweiten Fotografien berühmter Spieler. Fußball verbindet - und ist immer ein Gesprächsthema am GWN-Standort, den Wendlinger gerne "das kleine Amazon" nennt.

Die Betriebsstätte am Henselsgraben ist ein Umschlagplatz. "Was Amazon im Großen macht, geschieht hier in kleinerem Maßstab", sagt Wendlinger. Rund 170 der insgesamt 1200 GWN-Mitarbeiter arbeiten in Allerheiligen. Gemeinsam sorgen sie für einen reibungslosen Ablauf am zentralen Umschlagplatz für Broschüren, Bücher, Werbematerial und vieles mehr. Die GWN bieten diese Servicedienste an, Behörden gehören ebenso zu den Partnern wie große Unternehmen.

Gerade eingetroffen ist das kleine Büchlein "Agenda 2030 - 17 Ziele für unsere Welt". Herausgegeben wird es von der NRW-Landesregierung, die seit den 1990er Jahren mit den GWN zusammenarbeitet. Von der Betriebsstätte am Henselsgraben aus wird das Buch, das sich an Kinder im Grundschulalter sowie der Sekundarstufe I richtet, versandt. Unterstützt wird das Projekt von Neven Subotic (29). Da ist er wieder, der Fußball, und Dieter Wendlinger muss jetzt ein bisschen tapfer sein: Er ist Schalke-Fan und Subotic hat bis vor kurzem für Borussia Dortmund gespielt, dem Lokalrivalen der Schalker. Aber solche Gegensätzlichkeiten spielen bei den GWN keine Rolle. Gesucht wird das Verbindende, Integrative, der Zusammenhalt. Wendlinger arbeitet seit 25 Jahren bei den GWN, fast sein halbes Leben. "Der Mensch steht im Mittelpunkt, das macht es für mich aus", sagt er und es klingt kein bisschen nach Marketing-Sprech.

Die Gemeinnützigen Werkstätten Neuss GmbH wurde 1972 von der Stadt Neuss, der Lebenshilfe Neuss, dem DRK-Kreisverband Neuss und dem Förderverein für Spastisch- und Körperbehinderte Neuss gegründet. Persönliche Förderung und Qualifizierung ist das Ziel. "Unterm Strich geht es darum, Menschen fit für den allgemeinen Arbeitsmarkt zu machen", sagt Wendlinger. Menschen mit Behinderungen soll der Weg zu einem selbstbestimmten Leben geebnet werden.

Am Henselsgraben ist die GWN-Sparte "Papierservice" zu Hause, zu den Dienstleistungen gehören eine Hand- und Industriebuchbinderei, ein Letterservice, Akten- und Datenträgervernichtung sowie der Lager- und Versandservice. "Wir haben rund 3500 Europaletten mit Infomaterial in unserem Hochregallager vorrätig", betont Wendlinger.

Dort wird auch das Buch "Agenda 2030 - 17 Ziele für unsere Welt" gelagert. Es verfolgt durchaus eine pädagogische Mission. "Arme wie reiche Länder haben sich dazu verpflichtet, bis 2030 mit aller Kraft auf Ziele wie ,Keine Armut', ,Kein Hunger', ,Gute Bildung' oder ,Verantwortungsvoller Konsum' hinzuarbeiten", erklärte Stephan Holthoff-Pförtner, NRW-Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie Internationales kürzlich bei der Buchpräsentation. Man mag solche Zielsetzungen in politisch stürmischen Zeiten als Hoffnungsschimmer sehen - und auch die Intention: Das Buch gibt Kindern Anregungen, wie sich eine bessere Welt gestalten lässt.

(abu)