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Neuss: Land will Hafthaus verkaufen

Neuss : Land will Hafthaus verkaufen

Überraschung im Ringen um die Zukunft des früheren Abschiebegefängnisses: Das Justizministerium will den Mietvertrag auflösen. Der Weg für eine Wohnbebauung ist frei. Investoren stehen offenbar Schlange.

Überraschung: Sowohl der Eigentümer, das Land NRW, als auch der Mieter, das Justizministerium, geben ihren Widerstand auf. Das leerstehende Hafthaus an der Grünstraße steht nun wahrscheinlich doch kurzfristig zum Verkauf.

Foto: Woi

"Wir hatten darüber nachgedacht, die Immobilie als Archiv zu nutzen und so, wie vorgesehen, noch bis 2018 Mieter zu bleiben", sagte Detlev Feige, Sprecher des nordrhein-westfälischen Justizministeriums unserer Zeitung. Doch dann habe man festgestellt, dass dafür diverse Umbauten notwendig gewesen wären. "Daher sind wir an einer weiteren Nutzung des Gebäudes nicht mehr interessiert und stehen so einer städtebaulichen Nutzung nicht im Weg", erklärte Feige weiter. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) in Düsseldorf, der das Gebäude verwaltet, sei darüber informiert worden.

Das konnte dessen Sprecher Hartmut Gustmann auf Anfrage bestätigen. "Mündlich hat uns das Ministerium über seinen Wunsch, den Mietvertrag aufzulösen, in Kenntnis gesetzt", so Gustmann. Sobald das in den nächsten Tagen schriftlich vorliegt, werde es Gespräche geben. "Da das öffentliche Interesse an der Immobilie sehr groß ist, gehe ich davon aus, dass wir damit bald auf den Markt gehen", sagt Gustmann und fügt hinzu: "Und werden an den Meistbietenden verkaufen." Die Nachricht vom bevorstehenden Verkauf löste in Neuss Jubel aus. Bürgermeister Herbert Napp zeigte sich "sehr zufrieden", dass der Mietvertrag mit dem Justizministerium wohl aufgelöst wird — Voraussetzung für einen Verkauf. Der städtische Bauverein, dessen Aufsichtsratsvorsitzender Napp ist, hat längst Kaufinteresse gezeigt und suchte bereits gestern Kontakt zum Eigentümer. Von einem "Filetgrundstück" spricht Frank Lubig, Chef des Bauvereins, der als Favorit gilt. Doch auch der Projektentwickler Korbmacher Bau aus Grimlinghausen will mitbieten. "Da bleiben wir am Ball", sagte Geschäftsführerin Ulrike Korbmacher.

Das Hafthaus ("Abschiebegefängnis") war eine Nebenstelle der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Düsseldorf. Kapazität: 80 Plätze. Seit 1993 waren dort nur Frauen untergebracht. Weil das Hafthaus nur zu 20 Prozent ausgelastet war, wurde es am 15. November 2011 geschlossen. Seither standen die Zellen leer. Der Mietvertrag, der offiziell noch bis 2018 läuft, sieht eine Monatsmiete von 15 000 Euro vor.

(NGZ)