Neuss: Lässt Ruia-Investor Rettung noch platzen?

Neuss: Lässt Ruia-Investor Rettung noch platzen?

Die Rettung des insolventen Schraubenherstellers droht auf der Zielgeraden zu scheitern. Gewerkschaft und Betriebsrat arbeiten für den Fall an einem Plan B: Der Übernahme der Firma durch die Belegschaft.

Die Unterschrift der amerikanischen Whitesell-Gruppe steht zwar schon unter dem Kaufvertrag für den Automobilzulieferer Ruia Global Fasteners, doch die Vereinbarung, die das Neusser Traditionsunternehmen (Bauer & Schaurte) aus dem Insolvenzverfahren befreien würde, droht auf der Zielgeraden zu platzen. "Die Forderungen des Investors sind unannehmbar", erklärte am Montag Heiko Reese von der IG Metall in einer Betriebsversammlung. Dort wurde die Marschroute der Arbeitnehmer besprochen, die nicht ohne einen "Plan B" sind. Springt der Investor doch noch ab, könnte die Belegschaft die Firma selbst übernehmen.

An diesem Plan arbeiten Gewerkschaft und Betriebsrat schon konkret. Eine Landesbürgschaft sei in Reichweite, erklärte Reese, zudem soll über eine Stiftung Geld stiller Teilhaber zur Finanzierung eingesammelt werden. Basis einer solchen Fortführung in Eigenregie sei die Tatsache, dass Ruia trotz des seit März 2012 laufenden Insolvenzverfahrens schwarze Zahlen schreibt.

Whitesell, so betonte Reese am Montag im Anschluss an die Betriebsversammlung, sei "der strategische Investor, der zu uns passen würde". Aber auch ein zweites Insolvenzverfahren sei keine Einladung an den Geldgeber, mit den Beschäftigten nach Belieben umspringen zu dürfen. "Was an Vorschlägen auf dem Tisch liegt, würde dazu führen, dass die Belegschaft die Investitionen zu 200 Prozent selbst finanziert."

Ilona Brockhoff vom Büro des Düsseldorfer Insolvenzverwalters Frank Kebekus bestätigt, dass der Kaufvertrag an zahlreiche Vollzugsbedingungen gebunden sei. "Aktuell können wir nicht vorhersehen, ob und wann diese erfüllt werden", sagte sie am Montag.

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Zumal die Arbeitnehmer und die Investoren unterschiedlicher Auffassung darüber sind, wer jetzt am Zug ist. Die Gewerkschaft macht ein klares Bekenntnis des Investors zum Flächentarifvertrag zur Bedingung um überhaupt — befristet — über abweichende Regelungen verhandeln zu können. Der Investor erklärte, dass er eine solche Erklärung erwägt, zuvor allerdings soll die Gewerkschaft sagen, was verhandelbar ist. Das aber macht die IG Metall nicht mit. Reese: "Wir sagen nicht von uns aus, was wir den Beschäftigten mitnehmen wollen."

Dazu hat der Investor selbst schon umfangreiche Ideen entwickelt: Ausstieg aus dem Flächentarifvertrag, Erhöhung der Wochenarbeitszeit auf 39 Stunden bei gleichzeitiger Entlassung von 200 Beschäftigten an den vier deutschen Ruia-Standorten, Reduzierung des Urlaubsanspruchs von 30 auf 24 Tage, Verzicht auf Teile von Urlaubs- und Weihnachtsgeld, drei Jahre keinerlei Tariferhöhung. "Zusammengenommen entspräche das einer Einsparung von 30 Millionen Euro jährlich", sagt Reese. Andererseits wolle Whitesell nur 24 Millionen Euro in die Werke stecken.

Whitesell sollte sich längst erklären, bat aber um Fristverlängerung. Auch deshalb herrschte gestern bei Ruia gedrückte Stimmung.

(NGZ/ac)