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Neuss: Lärmschutzwand nah am Haus

Neuss : Lärmschutzwand nah am Haus

Die A 57 wird verbreitert. Damit schiebt sie sich nicht nur dicht an das Haus von Heinz Schade, sondern beschert ihm auch eine 10,50 Meter hohe Lärmschutzwand. Der Nordstädter sieht sich schlecht unterrichtet und klagt.

Wenn Heinz Schade aus seinem Wohnzimmerfenster blickt, kann er das nur in Maßen genießen. Nur etwa 14 Meter entfernt steht die hohe Lärmschutzmauer der Autobahn. Ein Stück blauer Himmel ist noch zu erhaschen, demnächst wird auch das weniger.

Der geplante Ausbau der A 57 zwischen Holzbüttgen und Neuss-West wird für Schade und seine Familie nicht ohne Folgen bleiben: Die Lärmschutzwand rückt etwa fünf Meter auf sein Grundstück zu und wird mit 10,50 Metern höher als die alte — und höher als sein Haus. Was bleibt, sind neun Meter nutzbaren Grüns bis zum grauen Beton.

Schade wohnt mit seiner Familie an der Straße Am Stock hinter der alten Lärmschutzwand. Die stand schon, als er 1999 das Grundstück erwarb und 2000 darauf baute. Auch der Ausbau auf sechs Spuren war schon geplant. Aber niemand habe ihn darauf hingewiesen, klagt Schade. Das Thema sei bis vors Bundesverwaltungsgericht gegangen und letzten Endes wegen eines Formfehlers des Landesstraßenbauamtes zurückgewiesen worden, behauptet er.

"Als wir unser Grundstück bebaut haben, war uns klar, dass die nahe Autobahn eine Lärmbelästigung darstellen würde", bestätigt der 73-Jährige. Doch die ansonsten gute Wohnlage an der Anliegerstraße hätte die Schades gereizt, "und mit der Lärmschutzmaßnahme haben wir uns arrangiert." Um später zu erfahren, dass bereits 1995 der mehrspurige Ausbau der Autobahn geplant war. Schade: "Wenn wir das und die Konsequenzen dazu gewusst hätten, hätten wir nicht gebaut. Denn es geht nicht nur um die paar Meter weniger Grün, sondern vor allem darum, dass kaum noch Sonne unser Haus und vor allem unseren Garten erreichen wird."

Verschattung und Feuchtigkeit würden die Folge sein, ganz abgesehen "von weniger Aufenthaltsqualität im verbleibenden Stückchen Garten." Weil Heinz Schade der Meinung ist, dass die Stadt Neuss eine Baugenehmigung erst gar nicht hätte erteilen dürfen, sieht er die Stadt in der Haftung und hat zwei Anträge gestellt: Gesamtübernahme des Objektes oder eine Zahlung, die der Wertminderung entspricht. Beides wird von Stadt und Straßen NRW abgelehnt.

Schade glaubt, dass die Stadt auf eine Verjährung spekuliert. Deshalb hat er jetzt über seinen Rechtsanwalt beim Landgericht Düsseldorf Klage eingereicht. Bis die Angelegenheit endgültig geklärt ist, soll die Stadt auf eine Verjährung der Ansprüche verzichten. "Wir sehen eine Verletzung der Sorgfaltspflicht gegenüber dem Bürger", stellt Schade fest. Und wäre froh, den Papierberg von fünf Aktenordnern endgültig zur Ablage geben zu können.

(NGZ/rl)