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Neuss: Lärmaktionsplan: Neuss soll leiser werden

Neuss : Lärmaktionsplan: Neuss soll leiser werden

Mit einer Fülle kleiner Maßnahmen will die Stadt den Verkehrslärm senken. Das Problem: Oft ist die Kommune nicht weisungsberechtigt.

Mit großer Mehrheit wurde am Freitag im Rat der Lärmaktionsplan beschlossen. Er tritt zum 1. Dezember in Kraft, doch entscheidend leiser wird es in der Stadt nicht werden, fürchten Kritiker. Ihnen gibt Umweltdezernent Horst Ferfers in gewissem Grade Recht: "Der Begriff weckt vielleicht mehr Erwartungen, als er erfüllen kann."

Lärm an der Eisenbahn bleibt zumindest in Elvekum ein Problem. Lärmschutzwände an der Autobahn oder lärmarme Busse sollen ebenso Wirkung zeigen. Foto: frei

Lärm macht krank. Dieses Wissen hat die EU veranlasst, Lärmaktionspläne für die Kommunen zur Pflicht zu machen, in denen dauerhaft bestimmte Grenzwerte überschritten werden. Das ist in Neuss vor allem auf innerstädtischen Straßen wie Kaarster, Jülicher und Bergheimer Straße oder der Friedrichstraße der Fall. Straßen, wie Thorsten Siebert betont, der das Projekt im Umweltamt seit zwei Jahren begleitet, die natürlich eine wichtige Funktion im Wegenetz der Stadt haben. Die Kölner Straße, nennt Siebert ein Beispiel, bilde in der Kreuzung Hammfelddamm einen wichtigen Knoten. "Wenn da eine Spur weggenommen wird, habe ich Probleme mit der Lufthygiene," sagt Siebert — um das Wort Stau zu vermeiden.

Lärm an der Eisenbahn bleibt zumindest in Elvekum ein Problem. Lärmschutzwände an der Autobahn oder lärmarme Busse sollen ebenso Wirkung zeigen. Foto: Woitschützke, Andreas

Problematisch aus Sicht vieler Betroffener könnte sein, dass die EU-Verordnung einen Lärmaktionsplan erst bei Auslösewerten von 70 Dezibel tagsüber und 60 dBA nachts angegeben. Demnach gibt es zum Beispiel kein Fluglärmproblem. Die Messstelle Mühlenbachstraße auf der Furth, so bestätigen Messungen des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV), registriert zwar nachts Überfluglärm. Doch der bleibe mit 50 dBA unter dem Grenzwert.

Unbestritten groß ist nach wie vor der Eisenbahnlärm in der Stadt. Auf den aber kann die Kommune mit ihrem Lärmaktionsplan überhaupt nicht einwirken. Das Lärmsanierungsprogramm der Bahn, das nächstes Jahr in Neuss zum Abschluss kommt und den Neussern dann Lärmschutzwände mit 7,5 Kilometern Gesamtlänge gebracht hat, ist nach Ansicht der Verwaltung gleichwohl ein echtes Plus. Denn einen Rechtsanspruch hätten die lärmgeplagten Anwohner nie durchsetzen können — die Bahn baut freiwillig.

So bleibt der Straßenlärm das Feld, das die Stadt beackern kann. Oder auch nicht. Auf Autobahnen und Landesstraßen ist nämlich dr Landesbetrieb Straßen NRW in der Verantwortung. Der hat zwischen den Kreuzen Neuss-West und Neuss-Süd schon Flüsterasphalt verbaut und wird, so ist man bei der Stadt überzeugt, auch im aktuellen Ausbauabschnitt nicht an diesem offenporigen Asphalt vorbeikommen. Damit, wie Joachim van Bebber als Leiter der Projektplanung Planung beim Landesbetrieb erklärt, "Lärmschutzwandhöhen auf ein städtebaulich vertragliches Maß abgemindert werden können."

Die Stadt setzt ihrerseits auf ein Bündel kleinerer Maßnahmen, prüft aber auch den Einsatz dieses Flüsterasphaltes. Das war eine von einem knappen Dutzend Bürgeranregungen zum Entwurf des Lärmaktionsplanes. Wenn sich Gussasphalt mit offenporiger Oberfläche als ebenso haltbar und kaum teurer als Bitumen erweist, gehört ihm die Zukunft. Auch in Neuss.

(NGZ/ac)