„Kunst.Neuss“ zeigt „Potentiale“ im Loftstudio

Ausstellung in Neuss : „Kunst.Neuss“ zeigt „Potentiale“ im Loftstudio

Man kann Robert Jordan nun wirklich nicht vorwerfen, dass er als Vorsitzender des Neusser Künstlerkreises nichts bewegt: Die Gruppe „Querschnitt“ gibt es nicht mehr, aus dem Neusser Künstlerkreis wurde „Kunst.Neuss“ und auf seine Kritik, es müsse nicht immer nur im Romaneum ausgestellt werden, folgte am Wochenende eine interessante Ausstellung in einem Loftstudio an der Hansastraße 14 c, direkt hinter der Kaffeerösterei.

„Potentiale“ lautete der Titel, und man muss kein Lateiner sein, um mit diesem Begriff Stärke und Macht zu assoziieren. Die Exponate mussten vorab durch die Qualitätskontrolle in Gestalt der Kunstwissenschaftlerin Laura Flöter.

Das Loft wird normalerweise als Fotostudio genutzt. Ob es daran lag, dass der Anteil der Fotos jetzt ziemlich hoch war? Hilla Baecker entführte mit ihren Fotos den Betrachter zu ihren Lieblingsorten – egal, ob in Düsseldorf oder auf Föhr. Ihre Fotodrucke auf Alu-Dibond wirken wie leicht abstrahierte Malerei. Susanne Altweger verbindet in ihren Fotos Licht und Architektur zu einem faszinierenden Ganzen. Ein junger Fotograf, Amédé Ackermann, überraschte mit ungewohnten Effekten – ebenso wie der Bildermacher Michael Müller. Wie Titelblätter von Glamour-Zeitschriften wirken seine Arbeiten mit unterschiedlichen Ebenen, die die Essenz jeweils einer Stadt widerspiegeln.

Kunst hat auch das Zeug zur Integration: Durra Aziz kommt aus Syrien und gehört jetzt Kunst.Neuss an. Ihr Frauenporträt mit dem Titel „Harmloses Mädchen redet“ ist für eine Künstlerin aus einem muslimischen Land sicher etwas Ungewöhnliches. Ein Blumenbild mal ganz anders, nämlich völlig frei in Form eines Farbrausches, steuerte Jutta Jung als Gast bei. Elke Weiers“ Birkenstämme sind ebenso Eyecatcher wie die üppige Vegetation, die Ruth Kruschat so gut gelungen ist.

Für die leisen Momente war Inge Martin zuständig mit ihren weißen, sehr meditativen Arbeiten, auf denen zum Beispiel eine verschneite Bergidylle zu sehen ist. Bei Peter Lopski sah man Rot: zeitgenössische, aber auch alte Ferrari-Rennwagen. Gegenstandslose Bildkompositionen wie „Struktur mit Gelb“ von Petra Missal gehörten ebenso zu der Ausstellung wie die reliefartigen Tierskulpturen aus Metall von Volker Sternberg. Mit Kunsthandwerk war Luise Schwickerath vertreten. Ihr Buch mit geflochtenem Aluminium-Einband wartete förmlich darauf, intime Eintragungen anvertraut zu bekommen.

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