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Neuss: Kunst in der Holzkirche

Neuss : Kunst in der Holzkirche

In der Alten Erlöserkirche zeigen die Fotografin Michaela Welzel und der Maler und Grafiker Anton Bäumer alle zwei Jahre neue Arbeiten aus. Als Gast ist der Bildhauer Jürgen Zaun dabei.

Alle zwei Jahre stellen sie gemeinsam aus und holen sich zudem noch einen dritten Kollegen dazu: die Fotografin Michaela Welzel, der Maler und Grafiker Anton Bäumer — und in diesem Jahr der Bildhauer Jürgen Zaun. Ein Trio, das gut zusammenpasst und mit der Ausstellung in der Alten Erlöserkirche in Reuschenberg erneut beweist, was dort für ein architektonisches Kleinod für Kunst und Kultur steht, nur für diese Bereiche viel zu wenig genutzt wird.

Den Raum haben die drei Künstler geschickt und mit viel Gespür für die sinnvolle Zusammenstellung ihrer Arbeiten genutzt. Mit teilweise so verblüffenden Übergängen, dass der Betrachter kaum merkt, dass er da von einem Bild von Anton Bäumer plötzlich zu einer Fotografie von Michaela Welzel überwechselt. Bäumers farbige Drucke mit Furnierholz entsprechen geradezu kongenial den fotografischen Ausschnitten Welzels von einer Stahlskulptur.

Denn erst auf den zweiten Blick wird deutlich, dass die zunächst wie eine natürliche Holzmaserung wirkende Oberfläche die rostige Haut des Stahls ist. Beide Künstler überraschen zudem mit ungewöhnlichen Arbeiten. Er, weil er zumeist Abstraktes zeigt, "Spielereien mit dem Material", wie er sagt; und sie, die "sonst gerne in die Natur geht", Fotoarbeiten vom Libeskind-Mahnmal für die ermordeten Juden in Berlin ausstellt. Diese allerdings in Ausschnitten, die die Betonquader aus Zeit und Raum heben. Bis auf wenige Ausnahmen sind die Arbeiten in den vergangenen zwei Jahren entstanden. Einen Rückgriff auf Vergangenes haben sich Bäumer und Welzel aber erlaubt, indem sie die Arbeiten ihres gemeinsamen Projekts im ehemaligen Landestheater an der Drususallee zeigen: Fotos von Welzel aus dem Haus, in die Bäumer Silhouetten von Menschen hineingedruckt hat.

Und Jürgen Zaun beweist in der Ausstellung, dass er auch klein arbeiten kann. Seine großen Skulpturen aus Stein und Stahl stehen häufig im öffentlichen Raum; in der Erlöserkirche hingegen gibt es so kleine, dass noch ein Podest bekommen. Aber auch sie verblüffen, denn die scheinbar schwebenden Steine auf Stahlschwingen sind von filigraner Leichtigkeit, obwohl sie doch aus so schwerem Material sind. Darunter gibt es dann eben auch das eine oder andere Multiple, das man sich an die Wand hängen kann. "Nicht überall", wie Zaun lachend zugibt — angesichts einer in den Raum ragenden Stahlschwinge, auf der ein Stein liegt. Wie bei den anderen Arbeiten nicht fixiert.

(NGZ/url)