1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Neuss: Kunst für die Museumswiese

Neuss : Kunst für die Museumswiese

Morgen feiert das Clemens-Sels-Museum seinen 100. Geburtstag mit einem großen Fest am Obertor. Zum Programm gehört auch eine temporäre Installation der Kölner Künstlerin Rita Rohlfing.

Die Oberstraße ist 31,5 Meter lang und 1,50 Meter breit, Hessentor/Europastraße kommen auf 17,5 und zwei Meter, Markt/Hammerstraße immerhin noch auf 13,5, aber wieder nur 1,5 Meter breit. Allerdings, so ist dabei in den Unterlagen vermerkt, "kann länger sein, wenn nötig". Auf diese Maße hat die Kölner Künstlerin Rita Rohlfing die innerstädtischen Straßen runtergerechnet, um sie auf der Grünfläche neben dem Clemens-Sels-Museum auszulegen.

Auf 30 mal 21 Meter kommt ihre Installation, die eine Neusser Variante ihres Projekts "mapping the city" aus Köln und die große Besonderheit des Jubiläumsfestes im Museum ist. Zehn Straßen ergeben ein abstraktes Zeichen, das gleichwohl den realen Stadtplan abbildet. Unter dem Weglassen einiger Straßen und Plätze allerdings, wie Rita Rohlfing klarstellt – "das ist meine künstlerische Freiheit" –, aber nach akribischer Erforschung des Stadtplans und genau berechnet. Die Auswahl des Abschnitts ist ganz klar vom Anlass bestimmt: Sie verknüpft mit ihrem Zeichen aus in Magenta leuchtendem Teppichboden (ein Beitrag von Boden Pelzer) den Standort des ersten Neusser Museums am Markt mit dem neuen am Obertor. "Der Teppich ist das Straßenraster", sagt sie, "Gebäude und Plätze sind weggeschnitten." Schon bei ihrer Kölner Installation hat sie erfahren, dass die Zuschauer sich alles weitere erdenken, wenn sie erst mal eine Straße erkannt haben. Vor den Augen der Besucher des morgigen Jubliäumsfestes wird Rohlfing die Bahnen draußen auslegen. "Ob's stürmt oder schneit – da muss ich durch", kommentiert sie trocken die unstete Wetterlage. Um 16.30 Uhr soll alles fertig sein, sind die Besucher eingeladen, in das Zeichen hineinzugehen und es aus verschiedenen Blickwinkeln zu erfassen. "Nur bitte nicht über die Teppichbahnen", wünscht sie sich.

Die Arbeit bleibt bis Sonntag noch liegen, wird Montagmorgen wieder abgebaut, aber fotografisch dokumentiert. In einer kleinen Auflage von 30 Stück ist das Fotobuch auch später zum Preis von 75 Euro erhältlich; zudem sind zwei Künstlergespräche anberaumt: morgen (16.30 Uhr) und am 28. Juni.

Und noch eine Besonderheit wird das Clemens-Sels-Museum morgen bei seinem Fest bieten: die Neupräsentation von Blättern der Künstlergruppe "Die Brücke". Damit zusammen hängt auch die Vorstellung eines Neuzugangs. Die Letter Stiftung aus Köln übergibt dem Museum die Totenmaske von Johan Thorn Prikker. Das Neusser Haus pflegt die Kunst des Niederländers seit vielen Jahren, und auch im Stadtbild hat er etwa mit seinen Fenstern für die Dreikönigenkirche starke Spuren hinterlassen.

(NGZ)