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Kunst aus 40 Jahren von Horst Gläsker auf Schloss Reuschenberg in Neuss

Ausstellung in Neuss : Kunst aus 40 Jahren von Horst Gläsker auf Schloss Reuschenberg

Die Kunstinitiative „Wurzeln und Flügel“ auf Schloss Reuschenberg zeigt mit 80 Arbeiten aus unterschiedlichen Schaffensperioden von Horst Gläsker einen wahrhaft ungewöhnlichen Künstler.

Im Langhaus sind es alte Teppiche, die einst für den Sperrmüll ausgesondert waren und vom Künstler malerisch umgestaltet wurden. Sie allein lohnen schon den Besuch. Getoppt werden die Exponate noch durch „Pinseltanz-Bilder“ und  „Rhythmus-Bilder“.

Ausdenken könne er sich das nicht, sagt Gläsker. „Ich arbeite aus der Bewegung. Nach dem Entwurf, den es ja doch in der einen oder anderen Form gibt, lege ich los. Dann wird in mehreren Schritten präzisiert.“ Alles das geschieht im großen und kraftvollen Schwung. Zufällig wird da keine Farbe aufgetragen. Und selbst wenn das eine oder andere Gemälde genialisch hingeworfen zu sein scheint – nichts ist dem Zufall überlassen.

Horst Gläsker ist ein Unikat, dem der Ruf seiner Losung „Mut-Wut-Stolz“ vorauseilt. Seit mehr als 40 Jahren beeindruckt er mit einer ureigenen Form der Symbiose aus ellenlanger Agenda: Musik, Tanz, Theater, Malerei, Bildhauerei, Installation und Architektur. Er war gerade fünf Jahre alt, erzählt er, da wurde er im damals in Schutt und Asche liegenden Dresden von der Sixtinischen Madonna mit den Engeln infiziert. Von dem Moment an stand fest, dass er auch so einer wie der große Raffael werden wollte.

In seiner Kunst pocht er auf eine ganz persönliche Note. „Ich bin nie einer Zeitströmung nachgegangen“, konstatiert er selbstbewusst, „sondern immer meinem eigenen inneren Antrieb gefolgt.“ In ihm brodelt es förmlich, und davon lässt er nicht nur in seinen schöpferischen Phasen eine Menge heraus. Einst hat er gegen bürgerliche Formen und primitive Ornamente auf Tapeten gearbeitet und ihnen seinen kreativen Stempel aufgedrückt. „Je stupider das Muster, desto besser dient es mir zur Malerei“, lautete sein damaliges Motto.

Heute stellt er sich der weißen Fläche, ist seine Spur erkennbar ein wilder Tanz. Er arbeitet mit freien Formen, die aus sich selbst entstehen. Was jeder Mensch darin entdecke, sei dessen eigene Interpretation. Niemandem will Horst Gläsker, der in einem Düsseldorfer Atelier arbeitet, mit seiner rhythmisch bewegten Welt eine Meinung aufdrücken. Mit „Zufall und Präzision“, einem anderen Motto, das auch Titel der Schau ist, beeindruckt er seine Besucher ungemein.

Seine kreisrunden Intarsien-Arbeiten, seine großflächig rechteckigen Gemälde mit den unterschiedlichsten facettenreichen Farben und Strukturen, seine originellen Strukturen nehmen nicht nur visuell gefangen. Chaos und Ordnung werden beim Wort genommen. Die Räume sind sparsam mit seinen Werken ausgestattet, und das verstärkt für den Betrachter ihre Effekte zusätzlich. So zeigt sich Horst Gläsker auf der Höhe seiner Schaffenskraft und hat doch einen großen Wunsch: „Um alle Ideen auszuführen, bräuchte ich fünf Leben.“

Info Gerhard-Hoehme-Allee 1, bis Januar 2020, Besichtigung mittwochs, Vereinbarung unter 02131 4053580