1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Neuss: Kunst auf der Raketenstation

Neuss : Kunst auf der Raketenstation

Aus einem ehemaligen Waffenlager ist ein fotogenes Kunstzentrum geworden. Am Samstag führt die nächste Themen-Tour auf Einladung von Neuss Marketing und NGZ zur Raketenstation Hombroich.

Einst nutzte die NATO das Gelände als Waffenlager — heute ist es ein Experimentierfeld für internationale Künstler: Die Raketenstation Hombroich ist am Samstag Ziel der nächsten Themen-Tour von Neuss Marketing und NGZ. Backstein-Quader unterschiedlicher Kantenlänge, mal flach, mal würfelförmig, ragen aus dem Gelände, erzeugen im Dialog mit der sie umgebenden Natur eine ungeheure Spannung. Wer ein Auge für interessante Fotomotive besitzt, findet sie hier alle paar Schritte.

Der Beobachtungsturm reckt sich mahnend in den Himmel, erinnert an die frühere Nutzung des Geländes, auf dem im Auftrag der Vereinigten Staaten von Amerika zwischen 1967 und 1990 ein belgisches Raketengeschwader stationiert war. Auch die übrigen Gebäude, Hangars und Hallen, sind noch da — renoviert und umgestaltet. Denn vor 18 Jahren kaufte Kunstmäzen Karl-Heinrich Müller die 13 Hektar Land unweit des Museum Insel Hombroich, und immer noch entwickelt sich die Raketenstation weiter. Heute ist sie ein Ort der Kultur, der Wissenschaft und der Natur. Hier leben und arbeiten Künstler und Literaten, Komponisten und Wissenschaftler aus verschiedenen Nationen und Kulturkreisen.

Am Eingangstor beim Parkplatz der Langen Foundation wird der Künstler Jens Stittgen die Teilnehmer der "Neusser Ecken"-Führung begrüßen und sie über die Historie und Zukunft dieses Ortes informieren. Vom "Café Kischken" aus führt der Weg zunächst zum Field Institute, einem riesigen Raum, in dem Wechselausstellungen zeitgenössischer Kunst gezeigt werden. Mitte der 1990er Jahre von Raimund Abraham entworfen, befindet sich das 2006 begonnene futuristisch wirkende "Haus der Musik" bis heute im Rohbau. Hier ist die Installation "The Reality of the Unbuilt" (Die Wirklichkeit des Ungebauten) zu sehen, an der mehr als 20 Künstler beteiligt waren.

Das einzige militärische Gebäude, das Besucher auch von innen zu sehen bekommen, ist eine der drei Hallen, in denen bis vor 22 Jahren Raketen gelagert wurden. Heute werden hier Konzerte und Lesungen gegeben, während die beiden anderen Hallen Büros und Ateliers beherbergen. Das garagengroße Lehmhaus von Dietmar Hofmann sowie das fensterlose "domus aurea", dessen Dach auf der Unterseite mit Blattgold belegt ist, liegen auf der Route. Wenn die Zeit reicht, geht es in den Fontana-Pavillon.

Auf jeden Fall möchte Stittgen in den Klostergarten führen, der wie die begehbare Tilapia-Skulptur von Katsuhito Nichikawa entworfen wurde. Der labyrinthische Garten vereint östliche Tradition mit westlicher Gartenkultur, hier wachsen Heilpflanzen und Kräuter, die im "Café Kischken" genutzt werden.

Die Reihe "Neusser Ecken" wird auch in den Sommerferien wie gewohnt fortgesetzt. Bis zum Herbst laden Neuss Marketing und NGZ alle zwei Wochen zu Aktiv-Touren ein, um den Neussern ihre Stadt unter ungewohnten Blickwinkeln näher zu bringen. Begleitet wird die Reihe von einem Foto-Wettbewerb.

(NGZ/rl)