Neuss: Kritik und Klamauk aus Hausmeisterloge

Neuss : Kritik und Klamauk aus Hausmeisterloge

Eine komische Weihnachtsgeschichte inszeniert das Theater am Schlachthof mit der jüngsten Produktion in der Kabarettreihe "Rathauskantine". Der Lohn für ein spritzig-witziges Programm sind vier ausverkaufte Vorstellungen.

Eine irre komische Weihnachtsgeschichte, angereichert mit einer Portion Klamauk, vor allem aber mit Neusser Lokalkolorit, ist der Publikumsmagnet im Theater am Schlachthof: Die neueste Ausgabe der Kabarettreihe "Rathauskantine" mit dem Programmtitel "Halber Weihnachtsmann auf Toast" ist politisch-bissig und zugleich sehr unterhaltsam. Dafür sorgt das Trio "Triotop", zu dem Dennis Prang (36) als Hausmeister Jupp Schwaderath, die Controllerin Simone Strack, verkörpert durch Stefanie Otten (33) sowie Stadtarchivar Alfred Sülheim (Jens Spörckmann (46) gehören. Einen kleinen Einblick in die Welt der eher schlichten Gemüter gewährt Sabine Wiegand als "Dat Rosi".

Die Bühne des Theaters am Schlachthof wird zur Hausmeisterloge, dem Refugium von Jupp Schwaderath. Es riecht nach selbst gebackenen Plätzchen. Die Weihnachtsfeier im Rathaus steht bevor und der Hausmeister hat ein Problem damit, dass die Tür zu seinem Raum wie ein Türchen eines Adventskalenders geöffnet werden soll. Warum? Dieses Geheimnis wird erst zum Schluss der Vorstellung gelüftet.

Dennis Prang erobert die Herzen der Zuschauer im Sturm. Dabei hilft ihm auch sein asthmatisch anmutendes, abgehacktes Lachen — er nennt es Seehundlachen —, das er immer wieder ertönen lässt. Amüsant auch seine Art, Wörter zu verwechseln. Im Mittelpunkt steht aber die Auseinandersetzung mit der Quirinusstadt — eine Hassliebe, angesiedelt zwischen "Hauptstadt des Gestanks" und potenziellem Weltkulturerbe.

Das Trio weiß Erhellendes aus der Politik zu berichten. Zum Beispiel, dass Hermann Gröhe gezielt darauf hingearbeitet habe, dass eine Frau Verteidigungsministerin wird: Wenn Soldaten vor einer Frau strammstehen, können das Schützen auch — der Weg für Helga Koenemann als Bürgermeisterin von Neuss wäre frei. Gleichzeitig hätte Gröhe als Gesundheitsminister Verwendung für Herbert Napp — als Staatsminister für Raucherschutz.

Das muntere Trio gibt einen Rückblick auf das zu Ende gehende Jahr sowie — aus Sicht eines Neussers — einen Ausblick auf 2014. Da kommt die "Maggi-Apokalypse" ebenso vor wie die diversen Bombenentschärfungen und der Kampf ums neue Möbelhaus. Und beim Blick nach vorne lässt das Trio die FDP zur Europawahl an der Drei-Prozent-Hürde scheitern.

Die drei Akteure schauen allerdings auch über den Neusser Tellerrand hinaus, kritisieren mangelndes ökologisches Bewusstsein angesichts ausufernder Weihnachtsbeleuchtungs-Orgien und urteilen als "Die Heiligen Drei" resigniert über Neuss: "Das Einzige, was sich hier ändert, ist der Schützenkönig."

Sabine Wiegand mimt die leicht prollige Rosi, die von ihrem ersten Besuch bei "Starbucks" plaudert und stimmgewaltig gesteht: "Aldi ist mein bester Freund."

Fehlt noch die "Auflösung": Schwaderath fürchtete den "Tag der offenen Tür", weil er in seiner Loge jede Menge Böller aufbewahrt.

(NGZ)
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