1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Kindertagesstätte in Hombroich: Kreative Kinder-Insel

Kindertagesstätte in Hombroich : Kreative Kinder-Insel

Vor zehn Jahren wurde der von Oliver Kruse ganz aus Holz entworfene Kindergarten auf der Insel Hombroich bezogen. Ausflüge und Spielen in die Natur, Musik und Kunst machen das pädagogische Konzept aus.

Hombroich Einen größeren Gefallen konnte ihm die Natur gar nicht tun. Als der Architekt und Bildhauer Professor Oliver Kruse den Kindergarten auf der Insel Hombroich plante, gehörte auch eine grüne Hecke dazu, die über dem Eingangstor zu einem Bogen zusammenwachsen sollte. Nun, pünktlich zum zehnten Geburtstag der "Kinder Insel" wie die Kindertagesstätte in Hombroich griffig benannt wurde, ist es geschafft — der grüne Bogen steht. Und aus der Idee von einst, die Insel Hombroich für Kinder im Alltag und nicht nur als Besucher an der Hand der Eltern zugänglich zu machen, ist ein gefragter Kindergarten geworden, für dessen Plätze es jedes Jahr eine Warteliste gibt.

Dabei hatten Oliver Kruse und seine Frau Patricia Hepp ganz klein angefangen. Die beiden Künstler waren ohnehin auf der Insel zuhause, hatten eine dreijährige Tochter, erwarteten das zweite Kind und waren wie alle Eltern mit der Frage beschäftigt, welcher Kindergarten der richtige für das eigene Kind ist. "Wir haben uns verschiedene pädagogische Konzepte angeschaut", sagen die beiden, die heute in Köln leben, noch ein drittes Kind bekommen haben und längst Eltern von Schulkindern sind. Dabei lag der eigene Weg doch vor der Nase: "Kunst parallel zur Natur" — das Motto der Insel passt auch für Kleine, fanden sie und gründeten eine Gruppe "mit einer Handvoll Kindern", die anfangs noch in der Scheune untergebracht war.

  • Xanten : Elterninitiative plant ersten Waldkindergarten
  • Neuss : Kunstzentrum Hombroich
  • Monheim : Waldkindergarten braucht mehr Kinder

Aus den verschiedenen pädagogischen Konzepten etwa für den Waldorf-, Montessori oder Waldkindergarten haben sich die Gründungseltern das in ihren Augen Beste herausgefiltert und verbunden mit dem, was die "Kinder Insel" zu einem Vorreiter des landesweiten Projekts "Kultur und Schule" macht: Künstler wie Julia Schrader (Bildende Kunst) oder Anne-Sophie Witschke (Musik) kommen regelmäßig und mehrfach die Woche, um mit den Drei- bis Sechsjährigen künstlerisch zu arbeiten. Auf rund 120 Euro belaufen sich die Kosten pro Kind (und über Mittag), wobei 31 Euro auf die automatische Mitgliedschaft der Eltern im Trägerverein entfallen.

"Ohne das Engagement und die Liebe zur Sache" von vielen Mitstreitern hätte die "Kinder Insel" kaum realisiert werden können, sagen Kruse und Hepp, aber auch die Stadt Neuss habe sehr geholfen, und "ungewöhnlich schnell" konnte dann auch vor zehn Jahren das rund 160 Quadratmeter große, ganz und gar aus Lärchenholz bestehende Haus nach den Plänen von Oliver Kruse bezogen werden.

Das schlichte, aber nach innen wie außen Wärme und Geborgenheit ausstrahlende Gebäude steht ein wenig am Rand der Insel und ist doch mittendrin. 20 Kinder haben dort Platz, essen gemeinsam und leben von acht bis 16 Uhr nach einem festen Rhythmus mit gemeinsamen Essen, Ausflügen und Mittagsruhe. Mit zwei Erzieherinnen und einem Praktikanten hat die "Kinder Insel" einen Betreuungsschlüssel, von dem andere Einrichtungen nur träumen können.

Und noch etwas unterscheidet die Hombroicher Kita von anderen: Das Spielzeug besteht aus Naturmaterialien und liegt vor der Tür: Steine und Bäume, über die und auf die es sich wunderbar klettern lässt, Sträucher zum Versteckenspielen, Stöckchen zum Körbebauen, Wasser zum Manschen. Und für die Beschäftigung drinnen gibt es Bücher, Bänder oder Tücher — Dinge eben, die die Phantasie anregen.

Nicht selten kommt es vor, dass Eltern, deren Kinder der Insel entwachsen sind, dennoch bei der Stange bleiben. Wie auch Patricia Hepp, die immer noch zum Vorstand des Trägervereins gehört. Ihr geht es ebenso wie ihren Töchtern— 13, zehn und acht Jahre alt —, für die der Martinszug der Kita-Kinder über die dunkle Insel Hombroich (dort gibt es keine Lampen) immer noch ein Muss ist: Die (Kinder-)Insel ist zu einem unverzichtbaren Teil ihres Lebens geworden.

(RP)