1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Neusser Schützenfest: Kostümverbot beim Neusser Wackelzug?

Neusser Schützenfest : Kostümverbot beim Neusser Wackelzug?

Das Komitee der Neusser Bürgerschützen hat den letzten Umzug an den Schützenfesttagen zur Baustelle erklärt. Noch werden Vorschläge und Meinungen gesammelt, doch die Zielrichtung steht: Fröhlich ja, aber kein Chaoszug.

Wie viel Karneval steckt inzwischen im Wackelzug am Dienstagabend des Neusser Schützenfestes? Zu viel, sagen die Mitglieder des Komitees und auch alle Korpsführer mit Blick auf die zum Teil abenteuerlichen Kostümierungen der Marschierer bei diesem Schützenfest-Finale. "Der Vorstand wird solchen Auswüchsen mit allen Mittel entgegentreten", kündigt Grenadiermajor Markus Ahrweiler für sein Korps an. Schützenlust-Major Herbert Geyr wünscht sich einheitliche Regelungen, bevor er mit Korpsstrafen droht, und Paul Oldenkott, Major der Gilde, will wieder ein paar Leitplanken einziehen. Aufgelockert soll der Umzug sein, aber kein Chaoszug sondern eine schützenfestliche Veranstaltung. Der Wackelzug — ein Sanierungsfall!

Für die Korpsversammlungen in diesen Wochen kündigt sich auch immer Oberst Heiner Sandmann mit einem weiteren Komiteemitglied an. Schützenlust, Schützengilde und Grenadierkorps wurden schon besucht, die anderen sollen folgen. Immer bringt die Führung des Neusser Bürger-Schützenvereins zwei Anliegen vor: Die neuen Zugwege am Montag, die mit 3,3 (statt 4,9) und 1,9 (statt 3,1) Kilometer deutlich kürzer werden, sowie das Problem Wackelzug.

Während die Wegverkürzungen für Nachmittags- und Abendumzug am Leutnantstag beschlossene Sache sind, tastet sich das Komitee an das Thema Wackelzug nur vorsichtig heran. Vorschläge und Meinungen wolle man hören, erklärte Oberschützenmeister Martin Flecken, während Oberst Sandmann zugibt: "Im Grunde versuchen wir die Quadratur des Kreises."

Fakt ist, dass beim Wackelzug nur noch rund ein Drittel der Schützen mitgeht. Der Rest "versickert" irgendwo. Am Markt weiß Geyr noch 80 Prozent seines Korps hinter sich, aber schon an der Neustraße hat sich deren Zahl halbiert. Alle anderen biegen ab und warten am Weißen Haus, am Hamtorplatz oder am Marienbildchen auf den Umzug, um sich dann wieder einzureihen. Sie warten dort, weil dort etwas los ist. "Heute gehen wir dahin, wo die Leute sind", stellt Sandmann fest. Es müsse aber andersherum sein. Fragt sich nur wie?

Ein zweiter Schwachpunkt des Wackelzuges ist das Kredenzen für den neuen König. Wenn der einer Einladung folgt und anhält, steht das ganze Regiment. Und das oft lange, meist im Dunkeln und ohne Publikum am Straßenrand. Flecken verspricht, dass König und Komitee diese Stopps schon in diesem Jahr deutlich abkürzen wollen, doch löst das allein das Problem nicht.

Eine Idee könnte sein, dass die Korps in der Stadt Sammelpunkte zugewiesen bekommen, zu denen der neue König mit kleinem Zug kommt. Dann würde dort und nicht nur an den derzeitigen "Brennpunkten" gefeiert. "Man zieht dann sicher auch die Damen des Korps dorthin", meint Geyr.

Während solche Veränderungen nach Fleckens Überzeugung frühestens 2014 umgesetzt werden, ist Geyr zuversichtlich, dass es noch in diesem Jahr einen Leitfaden zu der Frage gibt: Wie viel Verkleidung verträgt sich mit der Uniform? Wenn der für alle gilt, würde er Kostümierungen unterbinden, sagt Geyr. Vor fünf Jahren hatte er damit aufgehört, nachdem sich sein Schützenlust hatte anhören müssen: "Da kommt das Langweilerkorps."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Neusser Schützenfest: Das war der Wackelzug 2012

(NGZ/rl/url/top/anch)