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Neuss: Konzert mit einem Alleskönner

Neuss : Konzert mit einem Alleskönner

Das Frühjahrskonzert des Neusser Kammerorchesters (NKO) im Zeughaus verspricht hochkarätige Symphonik. Für ein Beethoven-Klavierkonzert konnte Leiter Joachim Neugart Anthony Halliday verpflichten.

Herr Halliday, Sie sind jetzt schon einige Tage in Neuss. Ihr Eindruck?

Halliday Die Geschichte Ihrer schönen Stadt begegnet einem beständig, und wenn man aus einem Land mit sehr junger Geschichte kommt, ist man schon beeindruckt.

Sie beschäftigen sich ausschließlich mit Musik?

Halliday Ich bin Titularorganist an der St. Francis-Church in Melbourne. Die ersten katholischen Siedler haben 1856 diese ganz schnuckelige Kirche gebaut. Sie verfügt mit Haupt- und Chororgel über ein ganz attraktives Instrument. Daneben arbeite ich als freischaffender Konzertorganist.

Orgelvirtuose, Klavierpoet und Komponist. Sind Sie ein Alleskönner?

Halliday Bach auf der Orgel zu spielen, hilft auch dem Klavierinterpret – und umgekehrt. Beim Komponieren eröffnen sich dem Geist neue Dimensionen, eine von mir sehr geschätzte Freiheit. Beim Schreiben entsteht eine wunderbare Eigendynamik. Neben Klavier- und Orgelwerken gilt mein Hauptinteresse der geistlichen Musik. Sieben Messen sind bisher entstanden, darunter eine "Missa solemnis" für Sopransolo, Chor und Bläser.

Im Zeughaus spielen Sie Beethovens "Klavierkonzert Nr. 4 G-Dur". Sie haben alle 32 Beethoven-Sonaten eingespielt und in Melbourne eine Beethoven-Reihe initiiert. Beethoven-Manie?

Halliday Ich schätze ihn tatsächlich sehr. In jeder seiner Sonaten passiert immer etwas Neues. Sein großer Einfluss auf viele erfolgreiche Komponisten ist unverkennbar: Was nach Beethoven war, geht nicht ohne ihn. In Zeiten politischer oder gesellschaftlicher Krisen hilft seine Musik ganz bedeutend. So wurde nach "Nine-eleven" – zu der Zeit lebte ich in London – die traditionelle "Night of the Proms" geändert: Seither erklingt dort Beethovens Neunte.

Herr Neugart, Sie haben nicht nur einen professionellen Interpreten eingeladen, sondern auch ihrem Orchester ein anspruchsvolles Programm zugemutet.

Neugart Wir greifen wirklich nach den Sternen. Das Orchester hatte sich entschieden, mit Anthony Halliday das Klavierkonzert zu machen, auch schon im Hinblick auf unsere eigene Australien-Neuseland-Tournee im nächsten Jahr. Dazu passte dann von der großen symphonischen Besetzung her die "italienische" Sinfonie von Felix Mendelssohn Bartholdy. Ganz sicher eine Herausforderung, die unsere Streicher aber mit Freude angenommen haben und sich sogar zu Sonderproben verabredet haben. Zur Eröffnung spielen wir eine idyllische Ouvertüre des Mendelssohnschülers Niels W. Gade, die bisher kaum zu hören war. Sie wurde nämlich erst vor wenigen Jahren entdeckt und liegt bisher nur in handschriftlicher Form vor. Alles in allem: Ich bin sehr zuversichtlich.

Hansgeorg Marzinkowski führte das Gespräch

(NGZ)