Neuss: Konzert des Jugendsinfonieorchesters mit Knalleffekten

Neuss : Konzert des Jugendsinfonieorchesters mit Knalleffekten

Ralf Beckers, der Leiter des Jugendsinfonieorchesters der Neusser Musikschule - kurz "Sinfo" genannt - liebt finale Klangeffekte. Entsprechend vital waren die Werke, die "Sinfo" beim Frühlingskonzert im Zeughaus präsentierte. Die Tondichtung "Finlandia" von Jean Sibelius beginnt zwar düster und dunkel schattiert, es folgt eine feine Choralmelodie, bevor schmetterndes Blech Aufbruchstimmung signalisiert.

Damit sollten stürmische Streicher korrespondieren, die aber in kleiner Besetzung sehr verhalten blieben. Während je drei Trompeten und Posaunen mit Tuba und drei Hörnern eine starke Fraktion bilden, sind die Streicher unterbesetzt. Dennoch behaupten sie sich selbstbewusst und in sauberer Stimmung, wenn die abschließende Hymne im nordischen Ton dreifach gesteigert wird. Besonders die vier Violoncelli leisteten im "Concertino g-Moll" für Violoncello und großes Orchester Beachtliches.

Sergej Prokofjew hatte das Werk dem russischen Cellisten Mstislaw Rostrpowitsch gewidmet, hinterließ es aber ein Jahr vor seinem Tod (1953) unvollendet. Rostropowitsch schrieb es fertig und gestaltete auch die Uraufführung.

Im Zeughaus spielte den Solopart Joana Rini Kröger, die nicht nur eine erfolgreiche Cello-Klasse an der Musikschule unterrichtet, sondern auch in Projekten deutschlandweit mit Jugendorchestern arbeitet. Sie ließ das melodische Geschehen mit klarem Ton sehr emotional wirken, oder in Prokofjews Worten: betonte den "lyrischen Strom" und glänzte in der großen Kadenz des ersten Satzes. Ausgereift war das Zusammenspiel mit einzelnen Orchestersoli, die von allen Musikern unter temperamentvoller Leitung von Ralf Beckers mit Maß und Akkuratesse gestaltet wurden.

Dann folgten Werke mit finalen Knalleffekten, etwa der "Ungarische Marsch" von Hector Berlioz mit vielbeschäftigten fünf Schlagzeugern und Anton Dvoráks "Slawischer Tanz" (Nr. 8 aus op. 46), als Furiant ein rasend schneller böhmischer Volkstanz.

Daneben mussten zwei Einlagen von Johann Strauß (Sohn) mit der Sopranistin Karolina Rüegg als Csárdás-Fürstin und dem "Kaiserwalzer" eher als Überraschung und gepflegtes Innehalten wirken. Aber dann gab es ja noch die Zugabe: Der letzte der "Drei Tschechische Tänze" von Bohuslav Martinu, eine Polka, ließ das Orchester noch einmal stürmisch und fesselnd musizieren. Nach dem finalen Knall mit viel Blech, Schlagwerk und Becken löste ein gleichsam starker Beifall die Anspannung vor allem bei den jungen Musikern auf.

(NGZ)