Rhein-Kreis Neuss: Konverterplan mit neuen Standorten

Rhein-Kreis Neuss: Konverterplan mit neuen Standorten

In Nachbarschaft zum Umspannwerk Osterath wird eine "Steckdose" als Zugang zum Höchstspannungsnetz gebraucht. Als Standort dafür kommen auch Flächen in Neuss, Kaarst, Dormagen, Rommerskirchen und Grevenbroich in Betracht.

In einem Korridor drei Kilometer rechts und links der Stromtrasse, die von Nord nach Süd durch den Kreis verläuft, hat Netzbetreiber Amprion nach einem Standort für den Bau eines Konverters gesucht - und sechs besonders geeignete identifiziert. Meerbusch-Osterath, wo Amprion diese "Steckdose" zuerst bauen wollte, über die der erzeugte Strom ins Höchstspannungsnetz eingespeist werden soll, ist zwar noch unter diesen sechs Standorten gelistet, aber wegen der Nähe zur Wohnbebauung nicht mehr Favorit. Dafür werden neben diesem Standort nun noch fünf weitere im Kreis geprüft: in Neuss Kaarst, Grevenbroich, Dormagen und Rommerskirchen. Darunter ist auch eine Fläche südlich von Hoisten, wo eine Bürgerinitiative schon gegen den Bau von zwei Windkraftanlagen auf den Barrikaden ist.

Mehrere Hallen kennzeichnen den von Amprion geplanten Konverter. Den bekämpft eine Osterather Bürgerinitiative, sodass eine neue Suche gestartet wurde. Thorsten Mikschaitis und Joelle Bouillon stellten die Ergebnisse vor. Foto: woi/ud

Im Herbst 2013 hatte Amprion eine neue Runde bei der Suche nach einem geeigneten Standort eingeleitet und dabei auch die Vertreter der betroffenen Kommunen einbezogen, die in dem 40 Kilometer langen Suchkorridor zwischen Krefeld und Pulheim, Grevenbroich und dem Rhein liegen. Nach weiteren Sondierungen soll der endgültige Standort zum Jahresende benannt werden. Ein zügiges Genehmigungsverfahren vorausgesetzt, wäre 2016 Baubeginn dieses Konverters, der auf einem Grundstück von 370 mal 260 Meter Größe aus mehreren, 20 Meter hohen Hallen besteht. Investition: 300 Millionen Euro.

Mehrere Hallen kennzeichnen den von Amprion geplanten Konverter. Den bekämpft eine Osterather Bürgerinitiative, sodass eine neue Suche gestartet wurde. Thorsten Mikschaitis und Joelle Bouillon stellten die Ergebnisse vor. Foto: woi/ud

"Ich kann meine Erschütterung kaum verbergen", gestand der Neusser Planungsdezernent Christoph Hölters, nachdem Amprion gestern zwei Standorte auf Neusser Stadtgebiet ins weitere Verfahren aufgenommen hat. Dabei handelt es sich neben der 204 Hektar großen Suchfläche an der Grenze zwischen Neuss-Hoisten und Grevenbroich-Kapellen und ein fast doppelt so großes Gebiet im Westfeld, westlich der Bauerbahn. "Ich gehe davon aus, dass sich beide Standorte bei näherer Prüfung als nicht geeignet erweisen werden", sagt Hölters hoffnungsfroh. Sein Abwehrargument für das Westfeld ist dessen Bedeutung für Landwirtschaft, Stadtklima, Ökologie und Artenschutz. Und den Standort Hoisten glaubt er mit genau dem Argument vom Tisch zu bekommen, der dort den Unwillen vieler Bürger provoziert: der Konzentrationsfläche für die Windkraftnutzung.

Der Kaarster Bürgermeister Franz-Josef Moormann reagierte besonnen. Er ist zwar keineswegs begeistert von der Standortplanung, sagt aber auch: "Wir haben eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung für unsere Energieversorgung." Gleichwohl betont er, dass Kaarst eine Stadt mit hoher Bevölkerungsdichte ist und damit wohl kaum ein bevorzugter Standort sein könne. Dabei ist Kaarst doppelt betroffen. Die Prüffläche im Neusser Westfeld setzt sich auf Kaarster Gebiet fort, und nördlich der Anschlussstelle Kaarst-Nord zur 52 gelten noch einmal 18 Hektar, wo eine Auskiesung geplant ist, als geeignet. Vertreter des Rhein-Kreises lenkten bei der gestrigen Anhörung den Blick besonders auf diese Fläche, bestätigte Jürgen Steinmetz als Vertreter des Landrates.

Die Stadt Dormagen lehnt einen Standort des Strom-Konverters im Süden von Gohr mit der Begründung entschieden ab, wesentliche Fakten seien von Amprion nicht berücksichtigt worden. Rommerskirchens designierter Bürgermeister Martin Mertens stemmt sich mit dem Verweis auf eine Gemeinderatsresolution gegen einen Konverterbau an der Grenze zu Gohr oder in bei Widdeshoven, während Grevenbroichs Bürgermeisterin Ursula Kwasny auch Anlass zur Freude hatte. "Neurath und Frimmersdorf sind vom Tisch", erklärte sie.

(cw, hbm, -nau, schum, wilp)
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