Kommunalwahl 2020 in Neuss - Parteien suchen mehr Frauen für den Rat

Kommunalwahl 2020 in Neuss : Parteien suchen Frauen für den Stadtrat

Die Kandidatenrekrutierung für die Kommunalwahl im nächsten Jahr hat begonnen. Erklärtes Ziel aller Entscheider scheint es, dass die Versammlung der Stadtverordneten weiblicher wird. Doch Bewerberinnen stehen nicht Schlange.

Mit vier Frauen und drei Männern ist Bündnis 90/Die Grünen die einzige der sieben Fraktionen im Rat der Stadt Neuss mit einer weiblichen Mehrheit. Ein Erfolg der Quote. Diese These vertritt zumindest Hedwig Claes. Die grüne Stadtverordnete, die auch Gleichstellungsbeauftragte des Rates ist, mag nicht ausschließen, dass die Kandidatenliste ohne Zwang auch bei den Grünen männlicher dominiert würde: „Mit Quote werden gute Frauen besser gesehen.“

Hedwig Claes wünscht sich, dass der Neusser Rat nach der Kommunalwahl 2020 weiblicher wird. Unter den politischen Mitbewerbern bescheinigt sie dem Koalitionspartner CDU, in der Frauenpräsenz „aufgeholt“ zu haben, sieht aber großes Potenzial bei der SPD: „Fünf Frauen in einer 19-köpfigen Fraktion sind zu wenig.“ Alle Parteien seien aufgerufen, mehr Frauen aufzustellen, um die auch geworben werde müsse.

Sascha Karbowiak, der junge SPD-Chef in Neuss, weiß auch um diese Schwachstelle seiner Partei. Bei seiner Wahl zum Parteivorsitzenden vor zwei Jahren gab er bereits das Ziel aus, „mehr junge und kompetente Frauen“ als Wahlkreisbetreuerinnen aufbauen zu wollen. Dass er nicht untätig geblieben ist, belegen Juliana Conti, Verena Kiechle, Judith Göwert und die frühere Juso-Vorsitzende Natascha Ernst, die sich gegenwärtig schon in ihren Wahlkreisen bekannt machen. Sie sollen mit Vize-Bürgermeisterin Gisela Hohlmann, der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Claudia Föhr sowie den Stadtverordneten Marita Richter und Constanze Stroeks den Kern der sozialdemokratischen Frauen-Offensive bilden: „Wir werden weitere Wahlkreisbetreuerinnen nominieren und werden unseren Mitgliedern noch weitere hervorragende Kandidatinnen vorschlagen.“

In Augen von CDU-Chef Jürgen Brautmeier wäre es „angemessen“, wenn das Geschlechterverhältnis im Kandidatentableau „fifty-fifty“ wäre. Leider sei die Realität eine andere: „Machen wir uns nix vor. So viele Frauen, die bereit für eine Kandidatur sind, finden wir noch nicht.“ Darum lehne er auch die „Brechstange der Quote“ ab: „Der Mensch steht im Vordergrund. Es geht um Kompetenz und Persönlichkeit.“ Er werde hart dafür arbeiten, „dass der Frauenanteil in unserer Fraktion zumindest nicht sinkt.“ Er freue sich, dass mit der stellvertretenden Parteivorsitzenden Natalie Goldkamp ein junge Frau antreten wolle. Mit Helga Koenemann führt eine Frau die größte Ratsfraktion, die CDU. Das schätzt Brautmeier: „Wir arbeiten gut zusammen. Ich würde mich freuen, wenn sie erneut für den Rat antritt. Solche Persönlichkeiten brauchen wir.“ Er wolle aber Helga Koenemann, die über eine erneute Kandidatur noch nicht entschieden hat, nicht unter Druck setzen: „Das ist ihr Ding.“

Für Michael Fielenbach, der die Neusser FDP führt, bleibt es ein Ziel, dass auch künftig Frauen mitwirken: „Mit Heide Broll und Jana Pavlik haben wir zwei Frauen in unserer siebenköpfigen Ratsfraktion. Das finde ich für eine kleine Fraktion so schlecht nicht.“ Im gerade erst anlaufenden Prozess der Kandidatensuche sollen, so Fielenbach, (junge) Frauen ihre Chance erhalten.

Bei den Bündnisgrünen ist das Reißverschlussverfahren seit vielen Jahren erprobt: die ungeraden Listenplätze werden von Frauen besetzt, die geraden Plätze von den Männern. „Das hat sich bewährt“, sagt Parteichefin Susanne Benary. Dass aber auch die Grünen noch an der Gleichberechtigung arbeiten müssen, belegt ein Blick in den Verwaltungsrat der Sparkasse Neuss: Die drei Plätze für die Grünen werden von Männern besetzt.

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