Neuss: ... kommt mit seinen Gaben

Neuss : ... kommt mit seinen Gaben

Neuss Wer dieser Tage Dr. Thomas Ludewig begegnet, darf sich nicht wundern, wenn er von ihm mit "Fröhliche Weihnachten" gegrüßt wird. Denn seit zwei Jahren beschäftigt den Kulturwissenschaftler und stellvertretenden Leiter des Clemens-Sels-Museum neben dem Tagesgeschäft nichts anderes als - Weihnachten. Genauer: "Christkind, Weihnachtsmann & Co.". Denn so lautet der Titel der Ausstellung, die er in dieser Zeit auf die Beine gestellt hat und die am Donnerstag Abend eröffnet wird.

Neuss Wer dieser Tage Dr. Thomas Ludewig begegnet, darf sich nicht wundern, wenn er von ihm mit "Fröhliche Weihnachten" gegrüßt wird. Denn seit zwei Jahren beschäftigt den Kulturwissenschaftler und stellvertretenden Leiter des Clemens-Sels-Museum neben dem Tagesgeschäft nichts anderes als - Weihnachten. Genauer: "Christkind, Weihnachtsmann & Co.". Denn so lautet der Titel der Ausstellung, die er in dieser Zeit auf die Beine gestellt hat und die am Donnerstag Abend eröffnet wird.

Über 850 Exponate veranschaulichen im Sinne des Wortes die Entwicklung der weihnachtlichen Gabenbringer, ordnen sie soziologisch und kulturhistorisch in die Gesellschaft ein und präsentieren dabei einen Augenschmaus in einer Fülle, die bei einem Museumsbesuch gar nicht zu erfassen ist. Und die ohne die Sammelleidenschaft des Ehepaars Jürgen und Hannelore Pintscher gar nicht zustande gekommen wäre. Aus ihrem Bestand stammt der Großteil der Schau, die Ludewig indes mit wichtigen Exponaten aus CSM-Besitz anreichern konnte: "Schon Dr. Irmgard Feldhaus hat mit der Sammlung etwa von Bilderbogen angefangen, und in den vergangenen Jahren haben wir noch vieles aus den Jahren 1830 bis 1910 dazugekauft", erzählt Ludewig. Da waren Christkind und Weihnachtsmann schon auf dem besten Weg zu hauptamtlichen Gabenbringern.

Luthers Reformation hatte der Figur des Christkindes den entscheidenden Schub gegeben. Während die Katholiken am Gabenbringer Sankt Nikolaus festhielten und Weihnachten vor allem als religiöses Fest mit Andachten in der Kirche feierten, verbanden Protestanten die kirchliche Andacht mit der intimen Feier der bürgerlichen Familie. Doch auch wenn Ludewig generelle Entwicklungstrends ausmachen kann - regionale Abweichungen gab es immer. Vor allem, was das Aussehen des Gabenbringers betraf.

Sinnigerweise startet der Rundgang durch die Ausstellung also mit einem Blick durch ein Fenster in eine weihnachtliche bürgerliche Bescherstube. Bilder und Figuren machen mit den unterschiedlichen Gestalten des Christkindes bekannt - in einigen Fällen ist es das Jesuskind, in anderen eine engelsgleiche junge Frau. Knecht Ruprecht kommt ins Spiel, wandelt sich vom strafenden Begleiter des Sankt Nikolaus zum milden, großväterlichen Gabenbringer, der aus seinem Sack nicht mehr die Rute, sondern die Geschenke zieht.

"Er wird zum Weihnachtsmann", erklärt Ludewig und weiß das sogleich mit zahlreichen Abbildungen zu belegen. Zwar spielten dabei auch noch andere Figuren mit - etwa die allegorische Figur des Herrn Winter -, aber mit einer zunehmenden Ästhetisierung des Weihnachtsfest vor allem in der Werbung wurde auch die knorrige Gestalt immer ansprechender - bis sie mit Rauschebart und rotem Anzug schon ganz jenem Gabenbringer ähnelt, den später Coca-Cola zum Markenzeichen macht. "Die Figur umgibt etwas Geheimnisvolles", erklärt Ludewig, "das machte sie für die Werbung attraktiv". Welche Blüten das trieb, lässt sich in der Schau wunderbar nachhalten: Selbst vor Bier macht der Werbe-Weihnachtsmann nicht Halt.

Dass Coca-Cola den Weihnachtsmann erfunden hat, entlarvt die Ausstellung endgültig als Mär: Thomas Nast, ein deutscher Zeichner in Amerika, hat das Vorbild nach dem literarischen, niederländischen Sinterklaas, den Einwanderer mitbrachten, 1866 für "Harper's Weekly" entworfen. Coca-Cola hat seinem Anzug später nur ein anderes Rot gegeben (die NGZ berichtete).

Aber auch ohne sich mit der kulturhistorischen Entwicklung der weihnachtlichen Gabenbringer zu beschäftigen, vermittelt die Ausstellung erstaunliche Einblicke. Und sei es nur unter dem Aspekt, dass es kaum zu glauben ist, was unter dem Label Christkind und Weihnachtsmann schon seit Jahrhunderten produziert wird. Kitsch und Kunst gehen dabei oftmals eine überraschende Verbindung ein. Backformen, Spielzeug, Lebkuchen, Werbeträger - kaum etwas aus dem alltäglichen Leben in der Vorweihnachtszeit, das nicht weihnachtsmännliche Formen hat.

Das Schöne an der Ausstellung aber ist, dass die Lust am Schauen den Durst des Wissens fördert. Und der wiederum lässt sich stillen beim Lesen des detailreichen, sehr informativen und überaus verständlich geschriebenen Katalogs.

(NGZ)
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