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Neuss: Komitee zieht Schützenfest-Bilanz

Neuss : Komitee zieht Schützenfest-Bilanz

Sechs Wochen nach dem Schützenfest ziehen Präsident Thomas Nickel und Komiteemitglied Christoph Buchbender Bilanz. Sie loben die Königspaare, fordern mehr Akkuratesse bei den Umzügen und erklären, warum es beim Meldeschluss am Sonntagabend bleibt.

Herr Nickel, Herr Buchbender, nach dem Schützenfest ist vor dem Schützenfest. Aber Hand aufs Herz: Können Sie schon wieder ernsthaft schützenfestliche Fragen beantworten?

Thomas Nickel Wir haben ein herrlich unbeschwertes Fest erlebt. Es passte: ideales Wetter, gute Ehrengäste, ein souveränes Königspaar. Wer diese Freude erlebt hat, der spürt in sich die Motivation, jetzt die Weichen zu stellen, damit auch das Fest im nächsten Jahr wieder so gelingt.

Christoph Buchbender Das Schützenfest ist nur die Spitze des Eisberges. Das Schützenwesen ist ein soziales Netz, das die ganze Bürgerschaft durchzieht und zusammenhält. Da gibt es keine Pause, höchstens Wochen und Monate, die einmal nicht so arbeitsintensiv sind. Jetzt bereitet das Komitee die Jahreshauptversammlung am 18. November vor.

Die Komiteemitglieder Ralf Berger, Heiner Kaumanns, Robert Rath und Heinz Welter stehen turnusmäßig zur Wahl. Machen alle weiter?

Nickel Die Herren Berger, Kaumanns und Rath sind bereit, ihre Arbeit fortzusetzen. Heinz Welter scheidet auf eigenen Wunsch hin aus. Das Komitee wird hier einen Nachfolger vorschlagen.

Dann bleibt weiterhin ein Platz im Komitee unbesetzt.

Buchbender Das können Sie so nicht sagen. Die Satzung schreibt neun bis elf Mitglieder für das Komitee vor. Einen Platz nimmt der Oberst als geborenes Mitglied ein. Hinzu kommen aktuell neun Mitglieder. Wir sind also im Satzungssoll. Das Komitee arbeitet gut und effektiv, so dass eine personelle Ergänzung derzeit verzichtbar ist. Es ist aber gut, dass die Satzung — sollte mit Blick auf das Arbeitspensum Bedarf sein — die Berufung eines weiteren Komiteemitgliedes zulässt.

Die Entscheidung, das Heimgeleit am Königsehrenabend wegen der unsicheren Wetterlage abzusagen, hat Ihnen unüberhörbare Kritik eingebracht.

Nickel Der Oberst und der Oberschützenmeister treffen die Entscheidung. Und die beiden machen das gut. Auch die Absage am Königsehrenabend war richtig — denn auch sie musste schon weit vor dem Abmarsch getroffen werden — und zu diesem Zeitpunkt gab es einen Wolkenbruch. Denken Sie zum Beispiel an die Musiker. Werden die nass, müssen sie am nächsten Tag eine nasse Uniform anziehen. Das ist unzumutbar.

Bei den Schützen herrschte aber Unmut. Vor der Halle wurde gerätselt, ob das Heimgeleit stattfindet oder nicht. Das können Sie doch nicht abstreiten?

Buchbender Das wollen wir auch gar nicht. Es gab Lücken in der Informationskette. Das Problem ist von Komitee und Korpsführern erkannt. Das wird nachgebessert.

Sie haben die Vermarktung, inklusive Programmheft, der Agentur h1 übertragen. Hat sich das bewährt?

Nickel Ja, denn unser Erscheinungsbild ist einheitlicher und prägnanter geworden. Vom Programmheft bis zum Internetauftritt kommt jetzt alles aus einer Hand. Das wirkt sich positiv aus. Die Zusammenarbeit mit Marc Hillen von h1 war sehr gut.

Buchbender Mit dem Artikelverkauf, dem so genannten Merchandising, wollen wir einen kleinen Beitrag zur finanziellen Unabhängigkeit leisten. Das Investitionsvolumen von 63 000 Euro haben wir zwischenzeitlich erwirtschaftet, so dass wir jetzt ans Geldverdienen denken. Wir haben die Erfahrungen aus den ersten Jahren dazu genutzt, am Sortiment und an der Preisgestaltung zu feilen. Das ist bei den Kunden —Schützen wie Gästen — gut angekommen. Im nächsten Jahr wollen wir in diesem Bereich etwa 20 000 bis 30 000 Euro zur Finanzierung des Schützenfestes erlösen.

Teilen Sie den Eindruck, dass bei den Umzügen immer mehr Schützen die für Neuss so berühmte Akkuratesse vermissen lassen?

Nickel Ich formuliere es so: Bei den Umzügen tritt das Regiment nicht so korrekt auf wie bei der Parade. Auch die Marschstärke schwindet merklich. Handys, Sonnenbrillen und Zigaretten haben im Zug nichts zu suchen. Komitee und Korps werden das besprechen. Vielleicht sollten wir die Feldwebel in ihrer Rolle stärken, damit sie für mehr Ordnung in ihren Zügen sorgen können.

Seit 2005 trat drei Mal nur ein Königsbewerber an die Stange. Es geht der Wettbewerbscharakter verloren. Bedauern Sie das?

Buchbender Ein Wettbewerb mit mehreren Kandidaten ist natürlich schöner, aber wenn der Vogel unten ist, spricht keiner mehr darüber, wie viele Kandidaten geschossen haben. Es lebe der König! Mit Rainer Halm haben wir einen tollen König, der vermutlich in Uniform geboren wurde.

Liegt der Meldeschluss mit Sonntag 19.30 Uhr nicht zu früh? Es fehlt noch die Schützenfreude, die Festbegeisterung, die sich bei den Bällen am Sonntagabend und den Frühstücken am Montagvormittag einstellen?

Nickel Ein Königsjahr will geplant sein, da kann doch niemand spontan aus der Freude heraus sagen: Ich schieße auf den König! Jeder Bewerber muss sich der Würde des Amtes bewusst sein. Wir haben in den vergangenen Jahren immer überzeugende Bewerber gehabt, die wohlüberlegt an die Vogelstange getreten sind.

Buchbender Wir werden den Anmeldeschluss nicht wieder auf Montagabend verlegen. Die Kurzfristigkeit erzeugt Druck und somit Fehler. Bewerber und Komitee benötigen Zeit zur Vorbereitung. Die haben wir jetzt. Und das ist gut so.

Was bleibt Ihnen vom Schützenjahr 2011 in Erinnerung?

Buchbender Ein König Werner Kuhnert, von dem ein Impuls ausgeht: Alter schützt vor Klasse nicht. Er hat belegt, dass auch Schützen im Alter von 70 plus X Jahren noch ausgelassen feiernde Könige sein können.

Nickel Und wir haben eine Königin Carmen erlebt, die ihre Rolle sehr charmant, sehr weiblich und sehr repräsentativ interpretiert hat. Das fand ich richtig gut. Für alle Schützen, Neusser und ihre Gäste war es eine unbeschwerte Zeit. Wir freuen uns auf das nächste Jahr.

Ludger Baten führte das Gespräch

(NGZ/jul)