Neuss: Kliniken streiten um Geriatrie-Abteilung

Neuss : Kliniken streiten um Geriatrie-Abteilung

Weil immer mehr Menschen immer älter werden, nehmen auch die sogenannten Alterserkrankungen zu. Das Land baut daher die Zahl der Geriatrie-Abteilungen aus. Neuss ist als Standort vorgesehen, die Kreiskrankenhäuser gehen leer aus.

Im hart umkämpften Gesundheitsmarkt ist eine Vorentscheidung für das Neusser Lukaskrankenhaus gefallen. Demnach soll das städtische Klinikum eine geriatrische Fachabteilung mit 30 Betten neu aufbauen und betreiben dürfen. Ein entsprechender vorläufiger Feststellungsbescheid der Landesregierung wird vom neuen Geschäftsführer Nicolas Krämer als Erfolg und Vertrauensbeweis bewertet, von Ralf Nennhaus aber heftig kritisiert. "Das zerstört einen existierenden Versorgungsverbund", urteilt der Geschäftsführer der beiden Kreiskrankenhäuser, der lieber die bestehende Geriatrie am Elisabeth-Krankenhaus Grevenbroich erweitert hätte.

Der Ausbau der Altersmedizin, wie man Geriatrie übersetzen könnte, ist ein Schwerpunkt im Krankenhausbedarfsplan des Landes. Der wies 2010 landesweit 4035 Betten in 77 Fachabteilungen aus, kalkuliert aber schon für das nächste Jahr einen Bedarf von fast 5200 Betten. Bei dieser Prognose ermittelte das Land eine größere Unterversorgung im Rhein-Kreis, wo deshalb über die 52 Betten am Standort Grevenbroich hinaus eine Abteilung mit 30 Plätzen neu aufgebaut werden soll.

"Eine griffige Größe" nennt Krämer die 30 Plätze, obwohl sich sein Haus um eine Abteilung mit 60 Plätzen bemüht hatte. Er würde einen endgültigen Bescheid mit dieser Bettenzahl, der für Oktober angekündigt ist, nicht beanstanden. Nennhaus allerdings kündigte an, im Anhörungsverfahren, das erst am 3. August endet, noch einmal für das Kreiskrankenhaus zu werben. Auch eine Erweiterung in Grevenbroich sei eine Lösung im Sinne einer ortsnahen Versorgung, sagt er.

Dass sich bei der geriatrischen Versorgung eine Lücke auftut, ist mit der demografischen Entwicklung zu erklären. Schon 2010 war jeder vierte stationär behandelte Patient über 75 Jahre alt - Tendenz steigend. Behandelt werden diese Menschen auch am Lukaskrankenhaus schon heute, meist auf der Inneren Abteilung, erklärt Krämer. "Aber sie werden behandelt wie 40- oder 50-Jährige", fügt er hinzu.

Tatsächlich entspricht das nicht dem, was für diese Patienten optimal zu nennen wäre. Denn die Frage, wie sich diese nach ihrer Entlassung wieder in den eigenen vier Wänden zurechtfinden, wird bei normalen Patienten nicht gefragt. In einer Geriatrie aber ist das (Wieder-)Erlangen und Erhalten von Alltagskompetenzen zentrales Ziel und Teil des Konzeptes. Hinzu kommt, dass alte Menschen oft mehr als eine Krankheit aufweisen, die einer Behandlung bedarf.

Über die medizinische Versorgung hinaus muss der Betreiber der Geriatrie ein Netzwerk sicherstellen, das Angebote aus den Bereichen Physio- oder Ergotherapie sowie Logopädie bündelt und zudem ein Sozialdienst beinhaltet. Das "Lukas" als medizinischer Vollversorger hat deshalb Kooperationsverträge mit Wohn- und Pflegeeinrichtungen geschlossen.

Ein solches Netzwerk betreiben auch die Neusser St.-Augustinus-Kliniken, die mit Schließung des Katharinen-Hospitals Willich eine Geriatrie aufgegeben haben, am Standort Neuwerk. Das ist aber nicht Teil des Krankenhausbedarfsplanes, so dass nicht jede Leistung mit den Kassen abgerechnet werden kann. Für eine Geriatrie am Johanna-Etienne-Krankenhaus hat sich der Verbund nach Auskunft einer Sprecherin nicht beworben.

(NGZ)
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