Neuss: Kliniken auf dem Weg zur schwarzen Null

Neuss: Kliniken auf dem Weg zur schwarzen Null

Das Defizit schmilzt ab. Die Kreiskrankenhäuser werden 2017 ein um zwei Millionen Euro verbessertes Ergebnis vorlegen. Neben einem Überschuss ab 2020 bleibt die Fusion mit dem Lukaskrankenhaus ein strategisches Ziel.

Der an den Rhein-Kreis Neuss Kliniken eingeschlagene Konsolidierungskurs greift offenbar. Schlossen die beiden Krankenhäuser in Grevenbroich und Dormagen 2016 noch mit einem Minus von etwa 5,8 Millionen Euro ab, geht Landrat Hans-Jürgen Petrauschke aktuell davon aus, dass die neue gemeinnützige GmbH für 2017 ein um zwei Millionen Euro verbessertes Jahresergebnis vorlegen kann. "Wir haben uns das Ziel gesteckt, das Ergebnis in jedem Jahr um zwei Millionen Euro zu verbessern", erinnert Petrauschke. "Ich bin guter Dinge, dass das gelingen wird." Werde der Kurs fortgesetzt, könnten die Kliniken 2019 eine schwarze Null schreiben - "und 2020 einen Überschuss von zwei Millionen Euro vorweisen", meint der Landrat. Damit würde die GmbH in die Lage versetzt, künftig notwendige Investitionen aus eigener Kraft zu stemmen. Ein Insider: "Die Kreiskrankenhäuser bringen sich auf ,Lukas'-Niveau."

Sachkosten konnten verringert, Personalkostensteigerungen aufgefangen werden - "das sind nur einige Maßnahmen aus einer ganzen Mixtur, mit der das Jahresergebnis verbessert werden konnte", sagt Petrauschke. Dass die GmbH nun solider als noch 2016 aufgestellt sei, führt er auch "auf die Arbeit eines guten Triumvirats" zurück. Gemeint sind Patrica Mebes, Hubert Quadflieg und Sigurd Rüsken, die im Juni vom Kreistag als Geschäftsführer der Krankenhaus-Gesellschaft eingesetzt wurden. Die drei Chefs der Kreiskrankenhäuser hatten zuvor bereits in leitender Funktion am Neusser Lukaskrankenhaus gearbeitet.

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Die mit dem "Lukas" aufgenommenen Fusionsgespräche würden gut verlaufen, betont Hans-Jürgen Petrauschke. Der Kreis folgt aktuell mit Blick auf das Kartellrecht der Stadt Neuss, die einer Düsseldorfer Fachkanzlei den Auftrag erteilt hat, das Verfahren vorzubereiten. Eine Bewertung der Unternehmen - hier die Kreiskrankenhäuser, dort das "Lukas" - steht noch aus. Von einem Zusammenschluss verspricht er sich nur nicht eine verbesserte medizinische Versorgung - "es können auch Synergieeffekte wirtschaftlicher Art gehoben werden, die allen drei Häusern zugute kämen", meint der Landrat. Ein weiteres Vorhaben: Ab Januar werden die Seniorenhäuser des Kreises in Grevenbroich ("Lindenhof") und Korschenbroich in die Rhein-Kreis Neuss Kliniken GmbH überführt. "Damit werden wir auf Kreisebene einen Gesundheits- und Pflegekonzern haben, der auch ein großer Arbeitgeber ist", betont Petrauschke. In den nächsten Jahren sieht der Landrat noch vieles auf die GmbH zukommen. So müssten die Kliniken etwa daran arbeiten, die Patienten-Verweildauer auf Vergleichswerte anderer Kliniken zu reduzieren. Darüber hinaus gelte es, "eine ganze Menge" in die Digitalisierung der Krankenhäuser in Grevenbroich und Dormagen zu investieren, kündigt Hans-Jürgen Petrauschke an. Aktuell ist die Rhein-Kreis Neuss Kliniken GmbH gemeinsam mit der Initiative "Integrating the Healthcare Enterprise" (IHE) auf dem Weg zu einer standardisierten elektronischen und revisionssicheren Patientenakte. Dieses Projekt verspricht nicht nur eine Zeiteinsparung für die Handelnden, sondern soll auch die Anforderungen aus dem Patientenrechtegesetz erfüllen, nach dem jeder Patient fortan einen Anspruch auf eine digitale Akte hat.

Die finanzielle Entwicklung der Rhein-Kreis Kliniken wirkt sich übrigens auch positiv auf das Wohlbefinden des Landrates aus. "Im vergangenen Jahr konnte ich wegen der Krankenhäuser schlechter schlafen", gibt der Verwaltungschef mit einem Augenzwinkern zu. In diesem Jahr habe er die Nächte weitaus ruhiger verbracht.

(NGZ)