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Neuss: Kleingarten bringt Witwe in Not

Neuss : Kleingarten bringt Witwe in Not

Die zum Teil strengen Bestimmungen für Kleingartenanlagen bringen eine Neusserin in Finanznot. Nach dem Tod ihres Mannes muss die den Garten komplett "leer machen", um ihn abzugeben. Kosten: 6000 Euro.

Marlies Litfin hat in den vergangenen Jahren alles andere als Glück gehabt. Das gilt besonders für ihre Kleingartenparzelle in der Anlage Römerlager. 2006 war ihr Mann gestorben und sie hatte versucht, das 532 Quadratmeter große Gelände allein weiter zu versorgen.

Weil das nicht mehr so gut klappte, holte sie sich eine Hilfe zum Rasenmähen, Unkrautjäten und Bäumestutzen. Doch 2008 kam für die Rentnerin ein weiterer Rückschlag: Ihre Laube brannte ab, die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen Unbekannt ohne Erfolg. Die Laube wiederaufzubauen, kann sich die 73-Jährige nicht leisten.

Auch Gewächshaus muss weichen

"Ich habe den Garten viele Jahrzehnte mit meinem Mann gehabt. Aber ich schaffe es allein nicht mehr", sagt sie. Sie will die Parzelle abgeben, muss jetzt aber auch noch dafür sorgen, dass vorher sämtliche Bäume und Pflanzen aus der Anlage entfernt werden.

Ein offizieller Wertermittler bescheinigte dem Stück Land einen Wert von gut 1300 Euro. Die Kosten allerdings, alle Pflanzen und Bäume zu entfernen, liegen bei 6000 Euro. Fast 4700 Euro müsste Litfin damit tragen. Eine Regelung, die in den Kleingärten gang und gäbe ist: Selbst wenn Interessenten für eine Parzelle einen Baum oder ein Gewächs übernehmen würden, muss der Vorpächter die Parzelle blank machen. "Das schreibt das Gesetz vor", sagt Hermann-Günther Kleindiek, Vorsitzender des Kleingartenvereins Römerlager.

Eine Regelung, die Litfin absurd erscheint. Denn in ihrer Parzelle steht unter anderem eine imposante Chilenische Araukarie (Affenschwanzbaum). "Da lassen sich Leute vor fotografieren, weil sie so schön ist", sagt Litfin. Doch egal, wie hochwertig die Gewächse sind, sie müssen weichen.

Das gilt auch für die Ruine der 20-Quadratmeter-Laube und das Gewächshaus, dass laut Litfin noch gut in Schuss ist. Auch hatte sie bereits Nachpächter für ihre Parzelle gefunden, die bestehende Pflanzen gern übernommen hätten. "Das Ehepaar war sogar bereit, die Parzelle ansonsten so herzurichten, wie der Verein sie haben will", sagt Litfin.

Sie hätten etwa die Obst- und Ziergehölze, die Stauden und den Rasen entfernt, wie es der Gutachter gefordert hatte. "Wir hätten die Regularien eingehalten und angeboten, die Parzelle leer zu räumen", sagt José Oliveira. Doch auch das scheiterte. "Wir haben eine Warteliste und hatten Interessenten für die Parzelle", sagt Kleindiek. Die könne man nicht einfach übergehen. Litfin dagegen betont, dass man ihr nie gesagt habe, dass es überhaupt Interessenten gibt.

"Viele suchen mit einem Schild nach Nachpächtern", sagt sie. Die möchte Kleindiek auf jeden Fall im kommenden Jahr unter Vertrag haben. Bis dahin muss Marlies Litfin die Parzelle leer machen, entweder zu den veranschlagten Kosten oder mit Hilfen, die das für sie übernehmen. "Der Verein kann die Kosten auf keinen Fall tragen. Das ist Frau Litfins Sache", sagt Kleindiek.

(NGZ)