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Neuss: Kleines Paradies an der A57

Neuss : Kleines Paradies an der A57

Auf einer zwei Hektar großen Fläche leben nahe der A 57 Tiere und Pflanzen, die ohne die Hilfe des Menschen von dort längst verdrängt worden wären. Der BUND kümmert sich seit Jahren um das Biotop – und sucht noch Mitstreiter.

Auf einer zwei Hektar großen Fläche leben nahe der A 57 Tiere und Pflanzen, die ohne die Hilfe des Menschen von dort längst verdrängt worden wären. Der BUND kümmert sich seit Jahren um das Biotop — und sucht noch Mitstreiter.

Überall zirpt, trillert, hüpft und flattert es. Wer Glück hat, sieht hin und wieder eine Eidechse in einem der Löcher zwischen den Steinen verschwinden, regelmäßig fliegen Schmetterlinge, etwa ein Bläuling, durchs Sichtfeld, im Gras sucht sich ein winziger Grasfrosch seinen Weg zwischen Weidenröschen, Schwertlilien, Beinwell und Hornklee. Mitten in diesem Kleinod aus Flora und Fauna stehen Ingeborg Arndt, Anton Deiringer und Uwe Bolz.

Die Drei gehören dem BUND an und gleichzeitig dem harten Kern an Engagierten, die sich um das zwei Hektar große Areal in der Nordstadt, nahe der A57, kümmern. Im Auftrag des Kreises übernimmt die Ortsgruppe Neuss Kaarst des BUND den Landschaftsschutz für das kleine Fleckchen Erde, das die Naturschützer zu einem kleinen Paradies gemacht haben. Sie selbst nennen es in der Fachsprache Biotop.

Einmal im Jahr, diesmal am 1. September, blasen die Drei zum Großeinsatz im Grünen. "Dann muss alles gemäht werden", sagt Uwe Bolz. Für den Laien mag es auf den ersten Blick seltsam erscheinen, dass Naturschützer alle Pflanzen einmal im Jahr niedermähen. So gut wie nichts bleibt stehen. Aber Uwe Bolz erklärt den scheinbaren Widerspruch, warum der Mensch hier eingreifen muss, damit in der Natur etwas erhalten bleibt, was ohne sein Zutun längst verschwunden wäre — weil der Mensch vorher schon zu viel an Natur zerstört hatte. "Die Fläche hier ist ein Trockenbiotop. Das ist sehr selten.

Dort wachsen Pflanzen, die in feuchterem, nährstoffreicherem Boden von dort wachsenden Pflanzen verdrängt würden. Damit sich nicht zu viele Nährstoffe im Boden ansammeln, er — so der Fachbegriff — mager bleibt, und die Pflanzen weiter wachsen können, die nur wenig Nahrung brauchen, müssen sich die BUNDler einmal im Jahr auf ihre Mäher schwingen.

Auch der gefährlichen Herkulesstaude — deren Saft reagiert mit Sonne giftigv — rücken die Helfer zuleibe. Einen ganzen Tag dauert der Arbeitseinsatz dann für das gute Dutzend an Helfern. "Schwierig sind die Ränder", sagt Bolz. Dort sind die Hänge steil, die Mäher kommen dort nicht gut hin. Denn die Fläche ist eine kleine Senke, entstanden, als für den Bau der A57 Sand ausgebaggert wurde, um den Damm für die Autobahn aufzuwerfen.

Noch vor einigen Jahren hatte der BUND mit Vandalismus zu kämpfen. Immer wieder kamen Jugendliche trotz des Zauns auf das Gelände und machten Lagerfeuer. "Doch jetzt sind die Hecken, zum Teil mit Dornen, so dicht und hoch, dass das nicht mehr so ein Problem ist", sagt Arndt. "Hier hat die Natur den besseren, sich selbst reparierenden Zaun geschaffen", fügt Bolz hinzu.

(NGZ/rl)