Neuss: Kleiner Maulwurf - große Unterhaltung

Neuss: Kleiner Maulwurf - große Unterhaltung

Das Theater am Schlachthof bringt die Geschichte "Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hatte" mit viel Spaß an Anschaulichkeit auf die Bühne: bestes Familienvergnügen!

Ausscheidungen gehören nicht eben zu den bevorzugten Sujets der Literatur. Verdauung, und was damit zu tun hat, ist in der Erwachsenenwelt - jenseits der Gesundheitsbranche - weitgehend ein Tabu-Thema. Ganz anders bei Kindern: Sie interessieren sich erst einmal für alles. Und während einer bestimmten Entwicklungsphase im Kindergartenalter gibt es für sie kaum etwas Komischeres als die Ergebnisse eines Toilettenbesuchs. Kein Wunder also, dass das 1989 erschienene Kinderbuch "Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hatte" von Werner Holzwart mit den Illustrationen von Wolf Erlbruch ein internationaler Bestseller wurde, in 27 Sprachen übersetzt und inzwischen mehr als drei Millionen Mal verkauft. Und so einen Stoff lässt sich natürlich auch eine Bühne wie das Theater am Schlachthof nicht entgehen, das das Stück nach zehn Jahren nun erneut spielt.

Katja Lillih Leinweber hat sich die Geschichte von Ines Müller-Braunschweig in ihrer ersten Kindertheater-Inszenierung am TAS vorgenommen. "Die textliche Vorlage hat erfreulicherweise viel Freiraum gelassen, Dinge dazu zu erfinden", sagt die Regisseurin, die noch nach einer Testvorstellung vor Kita- und Grundschülern bis zur Premiere am vergangenen Sonntag an den Feinheiten gefeilt hat. Herausgekommen ist Familienunterhaltung im besten Sinne. Denn an der liebevoll ausgestatteten Handlung um den aufgebrachten Maulwurf und die heimliche zweite Hauptfigur, die rätselhafte Hinterlassenschaft auf seinem Kopf, haben nicht nur die ganz Kleinen viel Spaß wie die dreijährige Greta, sondern auch die älteren Geschwister wie ihr großer Bruder Paul (9) und die Eltern der beiden, die schon mit dem Buch-Klassiker groß geworden sind.

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Dem bereits eingespielten Kindertheater-Duo Barbara Wegener und Monika Sobetzko gelingt es scheinbar mühelos, über 60 Minuten die Aufmerksamkeit ihrer Zuschauer zu fesseln. Wegeners Maulwurf ist bei aller gerechten Empörung ein liebenswertes Kerlchen, mit dem sich die Kinder identifizieren können. Schauspielerisch dankbarer ist der Part von Monika Sobetzko, die alle weiteren Rollen übernimmt und so ihre Vielseitigkeit ausspielen kann. Denn anders als im Bilderbuch haben die verschiedenen Tiere, die als Urheber der Exkremente infrage kommen, jeweils ausgeprägte Charaktere: Da ist der kunterbunte Vogel, der behauptet: "Ich mache viel schöner!"; das angestrengte Pferd, dessen wortkarge Äußerungen alle mit dem Buchstaben "A" beginnen; das hyperaktive Karate-Häschen und das tussige Schaf auf dem - Achtung: Wortspiel! - Cat-Walk; der ein wenig furchteinflößende, aber eigentlich ganz gutmütige Metzgershund Hans-Heinrich; die pfiffige Fliege, die sich als Experte in Sachen Fäkalien herausstellt. Köstlich auch das im rheinischen Dialekt redende Schwein, das den Komposthaufen als Pool nutzt und dem Problem des Maulwurfs durchaus etwas Positives abgewinnen kann. Zum gelungenen Gesamteindruck tragen natürlich auch das detailfreudige Bühnenbild (Rene Buttermann) sowie die kindgerechten und fantasievollen Kostüme von Stefanie Klein bei.

(NGZ)
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