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Neuss: Kirmesgesellschaft wird 175

Neuss : Kirmesgesellschaft wird 175

Lange galt das Jahr 1925 als Geburtsstunde der Kirmesgesellschaft Speck-Wehl. Doch dann tauchte im Stadtarchiv ein Hinweis auf eine Kirmes aus dem Jahr 1837 auf. Die Geschichte "Jeloochsbroer" musste neu geschrieben werden.

Wie alt ist eigentlich unser Verein? Das fragten sich Vorstandsmitglieder der Kirmesgesellschaft Speck-Wehl vor gut 20 Jahren. Ein eifriges Suchen begann und förderte eine handgeschriebene Satzung aus dem Jahre 1925 zutage. "Weil weitere Nachweise nicht vorhanden waren, nahmen wir 1925 als Gründungsdatum an", erinnert sich Siegfried Klappa, seit 2008 Präsident der Kirmesgesellschaft Speck-Wehl. Doch der Vorstand irrte. Denn in diesem Jahr kann der Vereins sein 175-jähriges Bestehen feiern.

1925, das war die bisherige Zeitrechnung. Doch Hans-Theo Hilgers, der inzwischen verstorbene Archivar, konnte sich mit diesem Datum nicht anfreunden. Er forschte nach und wurde im Stadtarchiv fündig. In einer Ausgabe vom 30. September 1837 des "Neußer Intelligenzblattes" war zu lesen, dass vom 8. bis 10. Oktober 1837 die Specker Kirmes stattfand.

So musste die Geschichte der Speck-Wehler Kirmes neu geschrieben werden. Klappa: "Gerade noch rechtzeitig zum großen Jubiläum konnten wir also das wahre Alter belegen." Und das mit einem handfesten Datum, das nun groß gefeiert werden soll. In diesem Sinne wird das traditionelle "Kermesblättschen" in diesem Jahr von einer Chronik abgelöst, die auf 124 Seiten tief in die Historie abtaucht — bis zu Zeiten der "Jelooch-Brüder".

Die Kirmesgesellschaft nannte sich bis in die 1980er Jahre auch "Jelooch". Es war eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten, den "Jeloochsbroer". Man traf sich einige Wochen vor der Kirmes zur Versammlung und wurde nach Kirmes mit der Abrechnung wieder aufgelöst. Mit 14 Jahren wurde man Brohr (Mitglied) im Jelooch. Das Jelooch hatte kaum Rücklagen. Wenn die Kirmes erfolgreich war, gab es je nach Ergebnis Biermarken; der eventuell erzielte Überschuss wurde auf der Abrechnungsversammlung wieder ausgekehrt.

Vereinszweck der Kirmesgesellschaft Speck-Wehl ist damals wie heute die Pflege des Brauchtums und die Förderung des Heimatgedankens mit der Kirmes nebst sonstigen Veranstaltungen. Und zwar im Doppeldorf. Der Versuch, eine eigene Kirmes in Wehl zu feiern, scheiterte kaum, dass er ernsthaft unternommen worden war.

Die Mitgliederzahl schwankt zwischen 67 in 1925 und 164 in 2011. Insgesamt leben in Speck-Wehl etwa 900 Einwohner. Traditionell erscheint zu den offiziellen Veranstaltungen an den Kirmestagen nur der Vorstand im schwarzen Anzug; es gibt keine Uniformen. Zu Speck-Wehl gehört ohne Frage das Tambourcorps Speck 1948. Es besteht zur Zeit aus 30 aktiven Spielleuten, die in Speck-Wehl und Helpenstein zur Kirmes und bei sechs weiteren Schützenfesten aufspielen.

(roho)