Neuss: Kirchturm bleibt das Maß

Neuss: Kirchturm bleibt das Maß

Während Düsseldorf in die Höhe wächst und seine Skyline formt, bleibt die Münsterkirche St. Quirin als Wahrzeichen das bestimmende Element im Neusser Stadtbild. Kühne Hochhaus-Pläne wie einst im Hammfeld gibt's nicht.

Hohe Häuser ja, Hochhäuser nein. Auf diese Formel lassen sich die Bauvoranfragen bringen, die im Rathaus eingehen. Wirtschaftsförderer Andreas Galland sieht hierzulande keinen Markt für Büro- oder Wohntürme — im Gegensatz zu Düsseldorf, wo der Trend eindeutig in die Höhe geht. "Wer sich mit einem Wolkenkratzer ein Denkmal setzen will, für den ist Neuss die falsche Adresse", sagt Galland, "wir sind aber offen für gute, schöne Architektur." Und zehn Geschosse dürfen es schon sein. Das lasse auch das Baurecht für Hammfeld II zu — also auf dem Grundstück zwischen Derendorfweg und Strese-mannallee.

Für den Ehrenvorsitzenden der Heimatfreunde, Ex-Ratsherr Heinz Günther Hüsch, ist das eine "gute Nachricht". Er kämpft seit Jahren dafür, dass die Münsterkirche St. Quirin als Wahrzeichen der Stadt auch Fixpunkt der Maßstäblichkeit bleibt: "Die Kölner bauen neben ihrem Dom auch kein Hochhaus." Wer sich allerdings die Hitliste der höchsten Gebäude in Neuss ansieht, der wird überrascht.

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Das geflügelte Wort, in Neuss dürfe nicht höher als das Quirinusmünster gebaut werden, stimmt so nicht. Die Christuskirche an der Breite Straße und das Swissôtel am Rheindeich überragen als höchste Neusser Bauwerke mit jeweils 61 Metern das Neusser Münster um gut sieben Meter. Wer sich über die Autobahn aus Richtung Aachen der Stadt nähert, der mag das kaum glauben, denn in der Stadt-Silhouette hebt sich St. Quirin deutlich ab. Das wird vor allem sichtbar, wenn das Weihnachtskreuz leuchtet. Eine Erklärung hält Stadtsprecher Michael Kloppenburg parat. Das Münster stehe auf der höchsten Erhebung in der Innenstadt: "So wirkt es größer als es in Wirklichkeit ist."

Die Diskussion um die Neusser Skyline wurde viele Jahre auf einem ganz anderen (Höhen-)Niveau geführt: 164 Meter sollte der so genannte Korea-Turm in die Lüfte schießen, den die inzwischen in Insolvenz gegangene Walter Bau AG, Augsburg, an der Stresemannallee/Ecke Hammfelddamm bauen wollte. Der "Leuchtturm" war damals das letzte verbliebene Element eines kühnen Entwurfs. Vor (fast) 20 Jahren verpasste der angesehene Architekt Oswald Mathias Ungers dem beschaulichen Neuss einen Hauch von "Rheinhattan". Mit Turm, Tor und Castrum skizzierte Ungers drei Hochhäuser, die den Weg der Stadt über ein mutiges Entwicklungskonzept in eine moderne Zukunft weisen sollte. Gebaut wurden die Wolkenkratzer nicht. Castrum und Tor überstanden die Beratungen nicht, der auf 280 Meter ausgelegte Turm wurde auf 164 Meter gekappt — und verschwand 2007 endgültig im Papierkorb. Walter Bau will das Grundstück verkaufen.

(NGZ)
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