Neuss: "Kinderrechtepfad" wird offiziell eröffnet

Neuss : "Kinderrechtepfad" wird offiziell eröffnet

Viel Lob bekam der Kinderschutzbund gestern für das von ihm initiierte Projekt, das nun dauerhaft in Neuss verankert sein soll.

Mit einem lauten Knall eröffnete Rita Süssmuth gestern offiziell den "Neusser Kinderrechtepfad". Die ehemalige Bundestagspräsidentin zerstach neben der Eingangstür des Kinderschutzbunds an der Schulstraße einen Ballon, aus dem lauter Sterne rieselten. Die Türscheibe ist nun mit einem dauerhaften "QR-Code" versehen - einem viereckigen schwarz-weißen Symbol, in dem Informationen zu Kinderrechten verschlüsselt sind und die sich mit modernen Handys oder Tablet-PCs entschlüsseln lassen. An insgesamt zehn Stationen in der Innenstadt können Mädchen und Jungen nun anhand dieser Symbole ihre Rechte erforschen. Die Premiere erfolgte mit 13 Neusser Kindern im Alter von acht bis zwölf Jahren in den Herbstferien. An zehn Tagen lernten sie, dass sie zum Beispiel alle gleich behandelt und vor Gewalt geschützt werden müssen.

Foto: Hans-Juergen Bauer (hjba)

"Es ist wichtig, die Kinderrechte im Grundgesetz zu verankern", erklärte Süssmuth den Gästen aus Politik, Verwaltung und verschiedenen Institutionen. Umso mehr freue sie sich, dass die Rechte durch das Projekt auf Initiative vom Neusser Kinderschutzbund - genauer gesagt, durch Geschäftsführerin Rosemarie Steinhoff - bekannter gemacht werden. Das sei auch dringend nötig, meint Heinz Hilgers, Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes. "Nur wenige Menschen in Deutschland kennen die Kinderrechte. Selbst Entwicklungsländer wie Nepal liegen in diesem Wissen weit vor Deutschland", zitierte er eine Studie. Insbesondere das Recht auf eigene Meinung, Information und Beteiligung sei fast gänzlich unbekannt. Im "Neusser Kinderrechtepfad" repräsentiert die Geschäftsstelle der Neuß-Grevenbroicher Zeitung an der Niederstraße als eine der zehn Stationen dieses Recht. "Eine eigene Meinung ist ganz wichtig für die Schule der Demokratie", erklärte Hilgers den Kindern und Erwachsenen.

Das Bildungsministerium des Bundes fördert das Projekt mit 10 000 Euro. "Es gab 140 Bewerbungen", berichtete Kerstin Guthmann vom Bildungsministerium. Sie war gestern ebenfalls an die Schulstraße gekommen. "Eine Jury hat 35 davon ausgewählt, darunter das Neusser Projekt." Denn der "Neusser Kinderrechtepfad" verbinde in gelungener Weise Spielmobilpädagogik mit Medienpädagogik. So lernten die Mädchen und Jungen ohne schulischen Druck den Umgang mit neuen Medien wie Tablet-PCs, Handys und Verschlüsselungsmöglichkeiten.

"Keiner hätte vorher gedacht, dass auch in unserer Stadt so wenig Wissen über die Kinderrechte herrscht", sagte Thomas Nickel, der stellvertretende Neusser Bürgermeister. "Ich hoffe, dass wir noch mehr Institutionen in den ,Kinderrechtepfad' einbinden können." Und an die Mädchen und Jungen gerichtet, die den Pfad als erste erkundet hatten: "Es ist wichtig, dass man sich in allen Lebenslagen behauptet."

Die Kinder präsentierten sich nach den zehn Tagen auf eigene Art. Selbstbewusst trugen sie gestern den Gästen ein Rap-Lied vor. Der Refrain: "Wir Kinder haben Rechte. Das wurde uns gelehrt! Wir Kinder haben Rechte. So dass sich kein Kind beschwert!"

(NGZ)
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