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Neuss: Kinder wählen ihren eigenen Bundestag

Neuss : Kinder wählen ihren eigenen Bundestag

Zum ersten Mal können in Neuss auch Kinder und Jugendliche ihre Stimme abgeben. Die KJG organisiert mit der Stadt die "U18-Wahl"

Im Keller unter dem Rathaus sind die Mitarbeiter des Wahlamts schon mitten in den Vorbereitungen für die Bundestagswahl am 22. September. Doch nicht nur sie haben die Wahl im Blick: Auch die Katholische Junge Gemeinde (KJG) bereitet sich auf das Ereignis vor. Gemeinsam mit dem Jugendamt wollen sie zehn Tage vor der "echten" Abstimmung eine Bundestagswahl für Kinder veranstalten, zum ersten Mal findet dann eine "U18-Wahl" in Neuss statt.

"Wir wollen Kindern und Jugendlichen eine Stimme geben", sagt Volker Andres, Mitglied der Regionalleitung der KJG. Der Verband hat für das Jahr 2013 das Leitmotto "Kindermitbestimmung" ausgegeben. "Die U18-Wahl ist dazu eine tolle Möglichkeit", meint Andres, der vom Konzept einer Kinder- und Jugendwahl auch das Jugendamt schnell überzeugen konnte. "Wir finden die Idee toll", bestätigt Ann-Christin Kaup, die zuständige Abteilungsleiterin. Sie sieht die Veranstaltung als Chance, Jugendliche für Politik zu interessieren, eben weil sie das Gefühl vermittelt, Politik aktiv mitgestalten zu können. So soll das Ergebnis der Wahl auch nicht einfach so "versanden", sondern öffentlich diskutiert werden. Dazu hat die KJG sich Unterstützung aus der Neusser Politik geholt: Als Schirmherren fungieren CDU-Politiker Thomas Nickel und SPD-Ratsfrau Hannelore Staps. Beide sind nicht nur stellvertretende Bürgermeister, sondern auch Vorsitzende im Jugendhilfeausschuss. "Dort sollen die Ergebnisse der U18-Wahl später diskutiert werden", erläutert Sarah Bonk, die ebenfalls in der Regionalleitung der KJG aktiv ist und sich für die Wahlveranstaltung engagiert, die sich nicht nur auf den reinen "Wahltag" beschränken soll.

"Geplant ist ein Gesamtpaket", erzählt die 19-Jährige. Das beginnt bereits Ende August mit einer Führung durch den Düsseldorfer Landtag. Der Neusser Abgeordnete Reiner Breuer (SPD) hat bereits zugesagt, den Kindern und Jugendlichen seinen Arbeitsplatz zeigen. "Auch eine Podiumsdiskussion ist geplant", erzählt Sarah Bonk. Teilnehmen werden die Jugendvertreter der Neusser Parteien. "Wichtig ist, dass wir nicht nur die Wahl selbst anbieten, sondern auch den Prozess der Meinungsbildung begleiten", sagt Jugendexpertin Kaup, die als Zielgruppe der Veranstaltungsreihe Kinder im Alter von sechs bis 17 Jahren ansprechen möchte. Sie betont, wie wichtig es ist, sich schon in jungen Jahren mit Politik zu beschäftigen und zu lernen, Aussagen von Politikern kritisch zu hinterfragen. Denn einfach sein "Kreuz" zu machen, sei vergleichsweise einfach, sich eine eigene Meinung zu bilden dagegen umso schwerer.

Die Ergebnisse der Neusser Wahl fließen in das bundesweite Gesamtergebnis ein, denn die "U18-Wahl" findet in allen Bundesländern statt. Vor vier Jahren nahmen über 100 000 Jugendliche aus ganz Deutschland teil. In der Quirinusstadt wollen die Organisatoren die Ergebnisse noch am selben Abend veröffentlichen. Natürlich genauso, wie bei der "richtigen" Wahl: Mit einer großen Wahlparty.

(NGZ)