Ehemann sticht Frau in Neuss nieder: Kinder mussten Bluttat mitansehen

Ehemann sticht Frau in Neuss nieder: Kinder mussten Bluttat mitansehen

Mit mehreren Messerstichen in Gesicht, Hals und Brust hat Dienstagnachmittag ein 37 Jahre alter Neusser versucht, seine von ihm getrennt lebende Frau zu töten. Die 35-Jährige ist außer Lebensgefahr. Der Täter wurde festgenommen.

Meftha Sdiri kann es immer noch nicht glauben. Doch die Blutspuren an seinem Balkon und die blutgetränkte Decke aus einem Kinderwagen, der verlassen auf dem Grundstück vor seiner Wohnung an der Weckhovener Straße 23 steht, holen ihn und die anderen Bewohner immer wieder in die Realität zurück. Nach einer Messerattacke ihres Ehemannes wäre eine 35 Jahre alte Frau dort am Dienstag fast gestorben.

Es war kurz nach 15 Uhr, als Sdiri mit seiner Familie und Nachbarn auf dem Balkon der Parterrewohnung die Sonne genoss. Als er kurz zur nahe gelegenen Kita ging, um seine Kinder abzuholen, wurde aus der Sommeridylle ein blutiger Tatort. Als er wieder kam, bot sich ihm ein Bild des Grauens: Ein Frau lag blutüberströmt vor seinem Balkon, vor ihr kniete ein Mann, der ihr über die Wangen streichelte und fragte: "Alles ok, Schatz?", ein Kleinkind in einem Buggy, das schrie und ebenfalls voller Blut war. Wie sich schnell herausstellte, war das Kind nicht verletzt.

Bei dem Blut handelte es sich um das der Mutter, die, so die Polizei, mit ihren zwei Kindern allein an der Weckhovener Straße lebt, getrennt von ihrem Mann, der ihr Dienstagnachmittag auflauerte, als sie mit dem jüngsten Kind, einem Mädchen, spazieren ging. Das hat Meftha Sdiri nicht gesehen, doch es sich von seiner Frau, die die Polizei gerufen hatte, berichten lassen. Danach hatten die Eheleute zunächst normal miteinander geredet, schließlich gestritten. Als sie auf Höhe des Balkons der Familie Sdiri waren, habe der 37-Jährige gesagt: "Meine Frau hat mich beleidigt." Kaum hatte er das ausgesprochen, zog er ein Messer und verletzte seine Frau zuerst im Gesicht, dann am Hals und stieß ihr damit noch mehrmals in die Brust, bis die Waffe zerbrach. Danach kniete er sich neben sie und liebkoste die Schwerverletzte, bis die Polizei eintraf.

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Widerstandslos ließ er sich festnehmen. "Ich habe ihn öfter in der Trinkhalle gesehen", sagt Sdiri. Erst vorgestern habe der Täter ihn gefragt, ob er seine Ehefrau schon einmal mit einem anderen Mann gesehen habe. "Ich habe gesagt, dass er mich in Ruhe lassen soll", sagt Sdiri. Mit dem Opfer hatte die Familie keinen Kontakt, kannte die Mutter und ihre beiden Kinder nur vom Sehen. Um die beiden (das kleine Mädchen und einen neunjährigen Jungen) kümmerten sich am Dienstag Mitarbeiter des städtischen Jugendamtes.

Täter und Opfer wurden beide, wie die Polizei mitteilt, nach notärztlicher Erstversorgung in Krankenhäuser eingeliefert, denn auch der 37-Jährige hatte Schnittverletzungen an der Hand. Nach ambulanter Behandlung und Blutabnahme wurde er entlassen und befindet sich nun in Polizeigewahrsam. Die 35-Jährige ist nach Auskunft der behandelnden Ärzte schwer verletzt, aber außer Lebensgefahr.

Staatsanwalt Matthias Ridder aus Düsseldorf bewertet die Tat nach jetzigem Ermittlungsstand als versuchtes Tötungsdelikt. Die Neusser Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Zu der neunjährigen Tochter von Meftha Sdiri und den Nachbarskindern, die die Tat mitansehen mussten, kam am Dienstag noch ein Notfallseelsorger.

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(anch)
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