Neuss: Kinder kochen fair und gut

Neuss : Kinder kochen fair und gut

Die Neusser Eine-Welt-Initiative hat anlässlich der "Fairen Woche" Kinder eingeladen mit Fairtrade-Produkten zu kochen. Alle Gerichte enthielten Schokolade und stehen nun zwei Wochen lang auf Speisekarten von Restaurants.

Louis nimmt die Zange, greift in die Schale und angelt ein Stück mariniertes Lammfleisch heraus. Mit ruhiger Hand platziert er es in der brutzelnden Pfanne, und Gerd Lang, Küchenchef des Restaurants Solevino, gerät aus dem Häuschen: "Der Louis brät das Fleisch wie ein Profi. Er legt es richtig ins Fett, die Pfanne hat die richtige Temperatur — einfach perfekt", lobt Lang und ergänzt mit Blick auf die gesamte Kochschar vor ihm: "Die Jungs und Mädels machen ein Gericht, das ich einem Azubi im ersten Lehrjahr nicht zutraue. Einfach kolossal."

Das, was Lang dabei so begeistert: Die Köche sind Kinder. In diesem Fall Ministranten der Gemeinde Christ König. Louis, der die Lammsteaks wie ein Profi brät, ist neun Jahre alt. "Ich koche auch zu Hause gerne. Mittags kocht meistens meine Mama, aber abends darf ich schon mal mit Mama und Papa kochen. Am liebsten brate ich Steaks auf dem Grill", berichtet Louis. Mit seinen Koch-Kollegen von Christ König hat er sich an das Gericht "Lamm-Steaks mit Süßkartoffeln, Kakao und Couscous" gewagt — und das Rezept ist so gut, dass sich Küchenchef Lang freut, es ab Mittwoch zwei Wochen lang auf der Karte des Solevino zu haben.

Das war Teil des Konzeptes dieser Kochshow, zu der die Neusser-Eine-Welt-Initiative (Newi) anlässlich der deutschlandweiten Aktion "Faire Woche" Kinder auf den Freithof geladen hatte: Alle Gerichte, die die acht Teams aus Nachwuchsköchen am Donnerstag zubereiteten, werden zwei Wochen auf den Speisekarten der Restaurants erscheinen. Bedingung für die Kinder: Eine Zutat musste Schokolade oder Kakao sein und sie mussten "fair gehandelte" (Fairtrade) Produkten verarbeiten. "Das sind Produkte, bei denen bestimmte Kriterien eingehalten werden, wie gerechter Lohn für die Arbeit, der Ausschluss von Kinderarbeit oder ökologischer Anbau", erläuterte Newi-Koordinatorin Gisela Welbers. Und die Kinder hielten sich an die Vorgaben.

Die Junge Gemeinde St. Josef hatte zwei Teams gestellt, das eine bereitete "Bananen-Pfannkuchen ,Martinique'" zu, das andere "Bananensalat". Da in diesen aber zwei rote Zwiebeln gehören, hatte sich Köchin Lilli besonders vorbereitet: Sie trug eine blaue Taucherbrille gegen die beißenden Dämpfe der Knolle. Die Reuschenberger Albert-Schweitzer-Schule hatte drei Teams aufgeboten, bei ihnen gab es "Geeistes Mangosüppchen mit Fruchtsalat und Orangenschokolade", "Farfalle mir Spinat an Erdnuss-/Nuss-Nougat-Sauce" und "Schoko-Kirschkuchen mit Nuss-Nougat-Haube". Die OGS Flummigumm der Gutenbergschule kochte "Schokoträume mit Holunder-Couscous-Sauce" und die St.-Peter-Schule Rosellen "Süßen Reis mit Früchten". Das schmeckte nicht nur, sondern war auch ökologisch: Die Früchte stammten aus dem eigenen Schulgarten, der Reis wurde ohne Energiezufuhr in einer Kochkiste gegart. Zum Sieg reichte es nicht — an Louis und den Steaks der Christ-König-Köche führte kein Weg vorbei.

(NGZ/ac)
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