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Neuss: Keine Kirche ohne Ehrenamt

Neuss : Keine Kirche ohne Ehrenamt

Die Gemeinde der Reformationskirche fördert das Ehrenamt in besonderer Weise: Mit der Aktion "Haste mal nen Euro" will Pfarrer Manfred Burdinski die Gläubigen motivieren, sich stärker für die Gemeinschaft zu engagieren.

Es ist eine Frage, die jeder kennt: "Haste mal nen Euro?" Eine Frage, die auch die Kirchen angesichts knapper Kassen zunehmend stellen müssen. Pfarrer Manfred Burdinski von der Reformationskirche in der Nordstadt hat sich diese Frage zu Herzen genommen — und in der Gemeinde eine Aktion gestartet, die nun, nach einigen Wochen, erste Erfolge zeigt.

Dazu drehte Burdinski die Geldfrage zunächst um: "Statt bei den Gemeindemitgliedern um einen Euro zu bitten, haben wir in der Kirche Euros verteilt", erzählt der Pfarrer. Daran geheftet fanden die Kirchgänger einen Flyer mit der Bitte, sich zu engagieren in der Kirche, mitzuhelfen und sich einzubringen. "Die Idee ist, dass jeder Mensch Talente mitbringt, mit denen er etwas zurückgeben kann an die Gesellschaft", sagt Burdinski, der ein positives Resümee der Aktion zieht. So habe so manch ein Kirchgänger den geschenkten Euro gleich wieder zurückgegeben und aus einem Euro etwa zehn Euro gemacht. "Und wir haben ganz viele Gemeindemitglieder motiviert, sich ehrenamtlich zu engagieren." Etwa in der öffentlichen Bücherei der Kirche oder bei der Gartenarbeit.

Für letzteres hat die Reformationskirche Bernhard Berschmann gewonnen. Der 58-Jährige arbeitet als Gärtner beim Neusser Bauverein — und nun auch ehrenamtlich im Vorgarten "seiner" Kirche. Schon einmal hatte der Gartenexperte für die Gemeinde einen Plan gemacht, wie die Grünflächen neu gestaltet werden könnten. Der war aber aus Kostengründen verworfen worden. "Die Aktion hat dann den Ausschlag gegeben, dort selbst Hand anzulegen", erzählt Berschmann, der auf der Morgensternsheide lebt. Im Vorgarten der Kirche hat er nun die Beete etwas verkleinert, um sie pflegeleichter zu machen, hat den Rasen in Ordnung gebracht, den Eingangsbereich mit Blumen verschönert und den Innenhof, der lange durch eine Baustelle belegt war, auf Vordermann gebracht.

"Ich finde es wichtig, zu helfen", sagt Berschmann, der jahrelang kein Kirchgänger war, und durch eine gute Tat zurück in die Gemeinde fand: Als seine 88-jährige Vermieterin vor rund einem Jahr den Weg zur Kirche nicht mehr schaffte, sprang Berschmann als Fahrer ein — und feiert seitdem die Gottesdienste mit. Gutes zu tun ist ihm wichtig. "Außerdem kann ich etwas zurückzugeben an meine Gemeinde", sagt der 58-Jährige.

Für Pfarrer Manfred Burdinski ist dies genau das, was er mit der Frage "Haste mal nen Euro" bezwecken wollte. "Und vieles andere ist noch möglich", sagt Burdinski, der darauf hofft, "dass mit einer solchen Aktion die Gemeinde noch näher zusammenrückt."

(NGZ/ac)