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Neuss: Keine Angst vorm Wald

Neuss : Keine Angst vorm Wald

Im Rahmen des Lesefestivals "Literarische Sommer" las die Kölner Autorin Sabine Küchler in der Stadtbibliothek aus ihrem Buch "Was ich im Wald in Argentinien sah". Eigentlich sollte sie dort Götter suchen.

Im Auftrag des Goethe-Instituts bekam sie die "fast schon einmalige Gelegenheit", wie sie selbst sagt, an einer Expedition in die Nebelwälder Argentiniens teilzunehmen. Wie es zu diesem Abenteuer kam, was sie dann erlebte und wie daraus zwangsläufig ein Buch werden musste ("da ist einfach zu viel schief gegangen"), erzählt Sabine Küchler den zahlreichen Besuchern in der Neusser Stadtbibliothek. Die Wahlkölnerin, Autorin, Moderatorin beim Deutschlandfunk und Lese-Gast beim Literarischen Sommer, machte sich im Jahre 2009 mit einer Fotografin und einem Philosophen – beide aus Argentinien – auf den Weg in die Nebelwälder. Ihr Auftrag: dort die Götter aufzuspüren.

Küchler erzählte von den akribischen Vorbereitungen in Deutschland. Wie sie versucht, mit Listen Ordnung in die Reise zu bekommen, und von der Wahl der richtigen Kleidung. Es geht um beste medizinische Vorsorge, versehen mit einem Appell ihres Arztes: "Wenn Sie von Ihrer Reise wieder zurückkommen sollten, müssen Sie unbedingt berichten!"

Wasser war knapp

Und die 45-Jährige beschreibt den Versuch, sich auf eben eine solche Reise einzustellen. Dabei scheut sie sich nicht, sich selbst humoristisch zu beobachten. In der Rückbetrachtung kommt sie sogar zu dem Schluss: "Wenn ich gewusst hätte, was mich erwartet, so wäre ich wohl nie gefahren." Gut, dass es anders gekommen ist.

Sabine Küchler trägt keine wirkliche Reise- oder Informationsliteratur vor, ihr Buch ist eher als ein Ausflug in ihr Inneres zu verstehen. "Niemand kommt so aus dem Wald, wie er hineingegangen ist", sagt sie, und man wird ihr glauben. Gab es auf dieser Reise doch Dinge zu erleben, die zu planen eher unmöglich erscheinen. Zum einen waren es Sprachschwierigkeiten – kam die Einladung doch zu rasch, um sich noch genügend Spanischkenntnisse anzulernen –, zum anderen "... ist das dann doch mehr als der Wald, in dem ich als Kind mit meinen Eltern sonntags spazieren gegangen bin". Er sei nicht so ordentlich, nehme einen regelrecht auf, "unsere Spuren werden wieder zuwachsen, und morgen wird niemand sehen, dass wir da waren. Doch ängstlich waren wir, vor lauter Dummheit, nicht."

Es herrschte Wasserknappheit, stundenlanges Gehen auf staubigen Wegen ermüdete die kleine Gruppe. Und dann waren da noch die beiden sehr jungen Reiseführer, die Küchler nicht wirklich liebevoll Hänsel und Gretel nennt, und die ihre Sache einfach nicht beherrschten, etwa die erhofften und wichtigen Wasserquellen nicht fanden.

Und doch hat die Autorin dann, "als ich irgendwann nichts mehr gedacht habe", das Gefühl, dass sich die Götter zu ihr ins Gras setzten. Und so versteht Sabine Küchler es sehr gut, die Grenzgängerin, die sie damals selber war, eindringlich aber auch mit aller literarischen Freiheit zu beschreiben. "Es ist nicht alles wahr, was in dem Buch steht", versichert sie ihren Zuhörern, "aber es stimmt."

(NGZ)