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Wie ein abgeräumter Bahndamm: Kein Wasser im Norfbach

Wie ein abgeräumter Bahndamm : Kein Wasser im Norfbach

Von Christoph Kleinau Der Erftverband hat in Derikum einen Staudamm beseitigt, doch der künstlich bewässerte Norfbach fiel trotzdem weiter trocken. Deshalb wurde am Montag eine große Suche nach dem "Leck" gestartet. Wo Fische Anschluss an das Wasser verloren, verloren sie auch das Leben.

Von Christoph Kleinau Der Erftverband hat in Derikum einen Staudamm beseitigt, doch der künstlich bewässerte Norfbach fiel trotzdem weiter trocken. Deshalb wurde am Montag eine große Suche nach dem "Leck" gestartet. Wo Fische Anschluss an das Wasser verloren, verloren sie auch das Leben.

Der Norfbach glich am Montag auf längeren Abschnitten einem abgeräumten Bahndamm: ein Schotterband zwischen grünen Böschungen. Wären da nicht die toten oder sterbenden Fische gewesen, die schuppig-silbern zwischen den Steinen glitzerten. Wo war das Wasser geblieben? Dieser Frage ging der für die Bewirtschaftung des Norfbaches zuständige Erftverband schon am Freitag nach, als die Meldung vom versiegten Wasserlauf in der Zentrale ankam.

Anwohner berichteten, dass der Bach schon seit gut einer Woche immer mehr zum Rinnsal wird, doch werden die Wasserstände in dem Gewässer noch nicht automatisch erfasst. Bis dahin war in der Zentrale nur bekannt: Die Bowa, also die Wasserabteilung von RWE-Power, leitet in Anstel pro Sekunde 60 bis 70 Liter Trinkwasser in den Bach ein.

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"In vielen Versuchen wurde nachgewiesen, dass das zur Stützung des Gewässers ausreichend ist", berichtet Hinrich Doering, Abteilungsleiter Gewässerbetrieb beim Erftverband. Nur ankommen muss es. Ein möglicher Grund für das versiegende Gewässer schien Freitag schnell ausgemacht, als Außendienstmitarbeiter in Höhe des Hotels Novotel in Derikum einen größeren Staudamm entdeckten und beseitigten.

Der Norfbach in Höhe der Bedburger Straße in Erfttal : Nachdem das Gewässer dort am Wochenende noch größere Pfützen gezeigt hatte, glich es am Montag auf längeren Strecken einem abgeräumten Bahndamm. NGZ-Fotos (2): H. Jazyk

Doch die befreiten Wasser erreichten die Mündungszone in Erfttal nicht. Montag, so berichtete Doering, wurden weitere kleinere Stauungen beseitigt. Mindestens ein "Wehr" aber wurde dabei übersehen, denn der Erfolg blieb aus. So ließ der Verband den gesamten Lauf von der Einleitungsstelle in Anstel aus abgesehen und absuchen. Ein zum Teil beschwerliches Unterfangen, denn der Bach ist nicht überall ohne weiteres zugänglich, fließt zum Teil in Schutzgebieten.

Trotzdem glaubte Doering sicher: "Spätestens in der zweiten Nachthälfte zum Dienstag ist der gesamte Lauf wieder unter Wasser." Eine optimistische Prognose, die auch den Optimismus im Zusammenhang mit möglichen ökologischen Schäden nährt. Angesichts der kühleren Nächte hofft Doering, dass ein Großteil des Fischbestandes in so genannten Gumpen überlebt. Das sind Stellen, wo der Bach tiefer war und sich das Wasser länger hält und auch nicht so schnell aufheizt.

Für Thomas und Sina Schupp (9) oder Dominik Mollenhauer (10) ein toller Spielplatz. Mit dem Unterkasten eines Hamsterkäfigs, den der sinkende Pegel neben anderem Unrat zutage gefördert hatte, sammelten sie in der Höhe von Erfttal überlebende Fische ein und setzten sie in solchen "Pfützen" wieder aus. Ob auch Kinder die Stauwehre gebaut haben?

Doering weiß es nicht, schließt aber ein Einstauen zum Zwecke der Wasserentnahme aus. Schließlich ist keine klassische Beregnungszeit für Gemüse, erklärt er. Gleichwohl aber haben die Erbauer dieser Wehre ganze Arbeit geleistet und so dichte Dämme errichtet, dass das Wasser, wie Doering sagt, in angrenzende landwirtschaftliche Flächen abgeleitet wurde und dort versickerte.

(NGZ)