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Neuss: Kein Kind ohne Mahlzeit

Neuss : Kein Kind ohne Mahlzeit

Neuss Für Gisela Hohlmann steht fest: "Viele Kinder von Hartz IV-Empfänger können sich keine warme Mahlzeit in den Offenen Ganztagsschulen leisten". Schlimmer noch: Laut der schulpolitischen Sprecherin der Sozialdemokraten würden einige bedürftige Neusser ihre Kinder noch nicht einmal in eine Ganztagsschule schicken, weil sie es sich finanziell nicht leisten können.

Neuss Für Gisela Hohlmann steht fest: "Viele Kinder von Hartz IV-Empfänger können sich keine warme Mahlzeit in den Offenen Ganztagsschulen leisten". Schlimmer noch: Laut der schulpolitischen Sprecherin der Sozialdemokraten würden einige bedürftige Neusser ihre Kinder noch nicht einmal in eine Ganztagsschule schicken, weil sie es sich finanziell nicht leisten können.

Eine Lösung für das Problem könnte laut Sabine Ramakers, Vorsitzende des Arbeitskreises der Betreuungs-Träger, der Landesfonds "Kein Kind ohne Mahlzeit" sein. Für das Förderprogramm hat sich die Stadt Neuss allerdings nicht beworben, die Frist lief am Sonntag ab.

Zehn Millionen Euro will das Land Nordrhein-Westfalen zukünftig pro Schuljahr zur Verfügung stellen, um bedürftigen Kindern und Jugendlichen eine Mahlzeit in ihrer offenen Ganztagsschule zu ermöglichen. Im Schulausschuss ist dagegen beschlossen worden, den Bedarf in den Offenen Ganztagsschulen (OGS) erst zu ermitteln. Erste Anfragen der SPD an die Träger zeigen jedoch, dass die Situation in Neuss bisher unterschätzt wurde.

"Ich habe alle Schulen angeschrieben und nach der Situation vor Ort gefragt", erklärt Gisela Hohlmann. Ihre bisherige Bilanz lässt Schlimmes erahnen: "Fast alle zwölf Träger haben gemeldet, dass es Eltern gibt, die das Mittagessen für ihre Kinder nicht bezahlen können", sagt Hohlmann. Der Arbeitskreis der OGS-Träger hat ausgerechnet, dass eine Familie, die von Hartz IV leben muss, nur 2,55 Euro pro Tag für ein Kind bekommt. Eine Mahlzeit in den offenen Ganztagsschulen kostet durchschnittlich 2,50 Euro pro Kind. Eine Summe, die von vielen Eltern nicht aufgebracht werden könnte.

Für diese Situation halte die Stadt seit der Einführung der OGS eine "Notfallverordnung" bereit, wie die Schulausschussvorsitzende Stephanie Wellens (CDU) gegenüber der NGZ sagte. So würde bedürftigen Kindern auch jetzt schon durch die Stadt oder Fördervereine geholfen. "Außerdem wird etwas mehr Essen ausgeliefert, damit kein Kind ohne Mittagessen bleibt". Ob darüber hinaus Handlungsbedarf besteht, will die CDU bis zum kommenden Schulausschuss abwarten, dann sollen offiziell die Zahlen der OGS-Umfrage vorgestellt werden.

Die SPD will jetzt einen Antrag stellen, wie bedürftigen Kindern schnell und unbürokratisch geholfen werden könnte. Denn anders als der Arbeitskreis der Betreuungsträger hält die Neusser SPD den Landesfonds "Kein Kind ohne Mahlzeit" für die Sozialdemokraten keine ausreichende Lösung. "Wir wollen gar nicht an dem Programm teilnehmen", sagt die schulpolitische Sprecherin der Partei. "Erstens ist die Laufzeit auf lediglich zwei Jahre beschränkt - was passiert dann? Und zweitens ist die Freigabe der Gelder mit hohem bürokratischen Aufwand verbunden." Ihr Gegenvorschlag: "Wir brauchen einen Fonds, der bei der Stadt liegt", erklärt Hohlmann. So könnte gewährleistet werden, dass genügend Geld für alle Kinder im Stadtgebiet bereitgestellt wäre.

Dort beginnt eine weitere Problematik: Niemand weiß, wie viele Kinder tatsächlich bedürftig sind. Darüber hinaus befürchten die Sozialdemokraten, dass die "Notfallverordnung" bald ausgeschöpft sei. Viele Betreuungsträger übernehmen zurzeit stillschweigend die Kosten für die Mahlzeiten dieser Kinder. "Auf Dauer und bei zunehmender Fallzahl ist das aber nicht mehr zu finanzieren", sagt Sabine Ramakers. Sie hofft, ebenso wie die Sozialdemokraten, dass die Stadt sich möglichst bald zu einer zufriedenstellenden Lösung durchringt.

(NGZ)