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Neuss: Katholiken wollen Flüchtlingen helfen

Neuss : Katholiken wollen Flüchtlingen helfen

Mit der "Aktion Neue Nachbarn" will das Erzbistum Köln die Flüchtlingshilfe stärken. Rainer Maria Kardinal Woelki ruft dazu auf, privaten Wohnraum bereitzustellen, und sagt eine Million Euro als Soforthilfe zu.

Für den Pfarrgemeinderat Neuss-Mitte hat das Thema heute in seiner Sitzung oberste Priorität: Das Erzbistum Köln will die Flüchtlingshilfe stärken und hat dazu die "Aktion Neue Nachbarn" ins Leben gerufen. Die sieht unter anderem eine Soforthilfe von einer Million Euro vor, die unbürokratisch an Initiativen in den Gemeinden ausgezahlt wird. Gleichzeitig werden Ideen und Ansprechpartner für das Engagement vor Ort vermittelt.

Und Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki regte an, dass Gemeinden und Privathaushalte geeignete Räume für Flüchtlinge zur Verfügung stellen. "Letzteres wird bei uns eher nicht erforderlich sein", vermutet Oberpfarrer Msgr. Guido Assmann, dem bislang keine Anfrage seitens der Stadt Neuss vorliegt. "In erster Linie ist es Aufgabe der Kommunen, diesen Menschen Wohnraum zur Verfügung zu stellen." Und der sei mit dem St.-Alexius-Krankenhaus ausreichend vorhanden. "Natürlich kann sich das schnell ändern", schränkt der Geistliche ein, "aber ein Pfarrheim ist kaum als dauerhafter Wohnraum geeignet, denn es stehen ja keine sanitären Anlagen in ausreichender Zahl zur Verfügung." In einem Brief an seine Mitbrüder, haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter in den Gemeinden hatte sich Kardinal Woelki für die freundliche Aufnahme im Erzbistum Köln bedankt. "Nicht jeder, der in unserer Region ankommt, wird so herzlich empfangen wie ich", schreibt er und verweist auf die wachsende Zahl der Flüchtlinge. Kreisdechant Assmann begrüßt die Initiative des Erzbischofs. "Das ist wichtig, die Flüchtlings-Thematik ist eine drängende gesellschaftliche Frage in Deutschland." Vorhandene Hilfsangebote wie Kleiderkammern werden nun vom Caritasverband im Rhein-Kreis Neuss gebündelt und fachlich begleitet.

Angestoßen durch die "Aktion Neue Nachbarn" möchten die Katholiken in der Stadtmitte ganz praktisch tätig werden - von Mensch zu Mensch. "Es geht ja nicht allein darum, Wohnraum zur Verfügung zu stellen", sagt Assmann, "man muss sich auch um die Familien kümmern." Integration könne etwa durch die Teilnahme an Ferienfreizeiten oder Leseförderprojekte für Kinder erreicht werden. Kontakte aufbauen, die Menschen einladen, integrieren - das sei das Ziel. In ersten Gesprächen wurde bereits über konkrete Vorschläge gesprochen. "Auch wenn viele der Flüchtlinge, die derzeit im Alexius-Krankenhaus wohnen, vermutlich keine Christen sind, war die Idee, sie zu Weihnachten mit einer kleinen Aufmerksamkeit zu erfreuen, um zu signalisieren: Wir Christen feiern ein großes Fest und möchten Euch an unserer Freude teilhaben lassen", sagt Assmann.

Kardinal Woelki zeigt sich "zuversichtlich, dass Kirche vor Ort im Erzbistum Köln wirkungsvoll zu einer Willkommenskultur für Flüchtlinge als neue Nachbarn beitragen kann", wie er sagt, "wir folgen damit Papst Franziskus, der die Herausforderung von Flucht und Vertreibung als eine Anfrage besonders an uns Christen sieht."

(NGZ)