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Neuss: Karnevalisten gegen Rauchverbot

Neuss : Karnevalisten gegen Rauchverbot

Wenn das Nichtraucherschutzgesetz verschärft wird, sind davon auch die Neusser Karnevalssitzungen und der Kneipenkarneval betroffen. Auch kleine Vereine könnten Probleme bekommen.

Rauchen verboten, ohne Ausnahme, so der Plan der Landesregierung. Seit 2008 ist das Nichtrauchergesetz in NRW in Kraft. Bisher gilt: In Ein-Raum-Gaststätten, die nicht größer als 75 Quadratmeter sind, darf weiter gequalmt werden. Außerdem sind Raucher-Clubs erlaubt. Auch bei Karnevalsveranstaltungen darf noch geraucht werden.

Damit soll bald Schluss sein, wenn es nach NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens geht. Nicht nur Eckkneipen und Schützenfeste, auch die Neusser Karnevalssitzungen wären von einem verschärften Rauchverbot betroffen.

"Wenn Rauchen verboten wird, bekommen vor allem kleine Karnevalsvereine Probleme", sagt der Düsseldorfer Karnevalsprinz Thomas Puppe. Der Neusser Bäckermeister hält es für problematisch, wenn die Neusser den Saal für jede Zigarette verlassen müssen. "Das bringt nur Unruhe. Büttenredner haben es dann schwer, gegen den Lärm anzukommen." Der Prinz — selbst Raucher — hat das kürzlich bei einer Karnevalsveranstaltung der Stadtsparkasse Neuss erlebt. "Der halbe Saal war unterwegs. Es war richtig ungemütlich."

Jakob Beyen, Präsident des Neusser Karnevalsausschusses, sieht dagegen einem verschärften Rauchverbot gelassen entgegen. "Ich glaube nicht, dass das Rauchverbot der Stimmung einen Abbruch tun wird. Die Besucher werden bei einem Verbot nicht wegbleiben, sondern sich anpassen", sagt der 60-Jährige. "Die Neusser sind flexibel, können sich vor die Tür zurückziehen."

Momentan ist das Rauchen in öffentlichen Gebäuden während der Feiern zwar noch erlaubt. Die Sitzung der Katholischen Frauen der Kirchengemeinde St. Elisabeth und St. Hubertus Neuss im Pastor-Bouwmanns-Haus ist jedoch schon seit zwei Jahren rauchfrei. "Anfangs haben viele Besucher gesagt, wir kommen nicht. Doch die Besucherzahl ist stabil geblieben. Wir haben uns durchgesetzt", sagt Helga Thetard, Vorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft.

Michael Bott, Inhaber des "Marienbildchen" an der Neustraße, ist über die Pläne der Landesregierung verärgert: "80 Prozent unserer Gäste sind Raucher. Ich befürchte bei einer Verschärfung massive Umsatzeinbußen", sagt der Gastwirt.

Auch Ralf Heinz, Inhaber der "Flotten Theke" am Theodor-Heuss-Platz, rechnet bei einer Verschärfung mit Umsatzeinbußen nicht nur an Karneval: "Die Leute werden wegbleiben, ihr Bier lieber gemütlich zuhause trinken", sagt der 44-Jährige. Außerdem werden wir sicher Probleme mit den Anwohnern bekommen, die sich durch den Lärm vor der Tür gestört fühlen", sagt der 44-jährige Gastronom. Verständnis für eine Verschärfung des Nichtraucherschutzgesetzes hat Bäckermeister Thomas Puppe lediglich bei Kindersitzungen. "Da sollten Raucher Rücksicht nehmen", sagt der zweifache Familienvater.

(NGZ/rl)