Kappessonntagszug Zugbesucher diskutieren egoistisches Verhalten bei der Kamellejagd

Neuss · Karneval, Kostüme und Kamelle – Letztere sorgen in einer Neusser Facebook-Gruppe für hitzige Diskussionen. Während einige Nutzer sich über rücksichtsloses Verhalten am Straßenrand beschweren, fordern andere mehr Dankbarkeit.

Karneval Neuss 2024: Über 150 Fotos vom Kappessonntagszug
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So schön ist der Kappessonntagszug in Neuss 2024

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Foto: Andreas Woitschützke

Rund 2100 Aktive zogen am Sonntag durch Neuss und wurden von der kostümierten Menge bejubelt – der Kappessonntagszug gilt als der Höhepunkt der Karnevalssession in Neuss. Doch in diesem Jahr entfachte sich nach dem Zug in der Facebook-Gruppe „Neusser helfen Neusser!!!“ eine hitzige Diskussion rund um das Thema „Kamelle“ sammeln. Der Anlass: Das Verhalten der Jecken bei der Kamellejagd. „Ich habe noch nie so ein egoistisches Karneval den Kindern gegenüber erlebt wie dieses Jahr. Es ist einfach nur traurig, wie sich die Erwachsenen in den Vordergrund drängen“, postete ein anonymer Nutzer am Sonntag.

Mehr als 200 Kommentare sind dort bis Montagmittag eingelaufen: Einige berichteten von ähnlichen Situationen, erzählten von Zuschauern, die ihre Schirme aufspannten, um möglichst viel Kamelle abzugreifen, von Erwachsenen, die sich rücksichtlos verhalten, nicht auf Kinderhände aufpassen und Kabbeleien um begehrtes Wurfmaterial.

Auseinandersetzungen wie diese habe Karnevalspräsident Andreas Picker, der beim Kappessonntagszug mitgefahren ist, vom Wagen aus nicht beobachten können. Und auch Zugleiter Ralf Dienel habe solch eine Situation nicht mitbekommen. Wohl aber beobachtet er ein anderes Phänomen: „Einige Eltern schieben ihre Kinder immer nach vorne in die Nähe des Wagens“, sagt er. Dies geschehe wohl aus dem Gedanken heraus, dass sie dort besonders viele Süßigkeiten sammeln können.

Das Gegenteil sei aber der Fall: „Die meisten werfen weit nach hinten“, sagt Dienel, auch um gefährliche Situationen zu vermeiden. Sein Tipp: Lieber etwas weiter hinten stehen und da Kamelle sammeln. Das freue auch die „Wagenengel“ und vermeide Unmut, wenn sie die Kinder zurückschicken müssten.

Überhaupt haben nicht alle Zugbesucher, und das wird in der Facebook-Diskussion deutlich, solche Erfahrungen gemacht: „Was die Leute am Straßenrand machen, ist schon sehr unterschiedlich und kommt auch sehr darauf an, wo man steht“, schreibt ein Nutzer. Und in einem weiteren Kommentar heißt es: „Da, wo wir standen, war alles friedlich. Die Großen haben mit gesammelt und den Kleinen in die Taschen geworfen.“ Eine Nutzerin fasst es so zusammen: „Wenn ihr euren Kindern einen schönen, erlebnisreichen Tag erfüllen wollt, dann gebt euch Mühe, indem ihr Akzeptanz und Toleranz vorlebt.“

Andere erinnern daran, dass der Umzug nicht dafür da ist, sich den „Süßigkeitenschrank zu füllen“, sondern um gemeinsam zu feiern. Sie plädieren für einen gelasseneren Umgang. Das heiße aber auch, sich an die eigene Nase zu fassen und nicht gleich zu verurteilen, wenn auch Erwachsene und ältere Menschen Kamelle sammeln möchten. Wieder andere können kleinere Umzüge in den Stadtteilen für Familie mit Kindern empfehlen.

Doch mischten sich auch andere Themen in die Diskussion: Es gab vereinzelte Stimmen, die sich generell über zu wenig Kamelle beim Zug beschwerten. Das stieß in der Facebook-Gruppe auf Widerspruch. Viele Nutzer erinnerten daran, dass die Karnevalisten das Wurfmaterial aus eigener Tasche bezahlen. „Wir sprechen da von einem dreistelligen Bereich pro Person“, bestätigt Karnevalspräsident Picker.

Und so wird in der Facebook-Diskussion auch die Forderung nach „ein bisschen mehr Dankbarkeit“ laut: Besonders, weil einige Süßigkeiten teilweise gar nicht erst aufgehoben oder teils zurück auf den Wagen geworden werden. Ein Verhalten, das auch Picker und Dienel bestätigen können.

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