Neuss: Karneval geht auch mit klassischer Musik

Neuss: Karneval geht auch mit klassischer Musik

Vor 16 Jahren hat Burkhart Sondermeier in der Kölner Oper zur Karnevalszeit zum ersten Mal ein Konzert mit Musik aus der Klassik auf die Beine gestellt. In Köln ist es seitdem ein Renner, nun versucht er sein Glück in Neuss.

Angefangen hat es mit einer Eintagsfliege. Das zumindest hatte Burkhart Sondermeier gedacht, als er vor 16 Jahren zum ersten Mal zu einem Konzert mit Musik zum Thema Karneval einlud, die aus der Klassik stammten. Natürlich in Köln und für die dortige Oper, "aber vor allem habe ich ein Programm gemacht, das mir Spaß machen sollte", erzählt er, "ich konnte doch nicht ahnen, dass es einen solchen Erfolg haben würde."

Vier Auftritte in Köln sind längst Usus, ebenso zahlreiche Gastspiele überall, wo Karneval gefeiert wird. Zum ersten Mal aber kommt der heute 70-Jährige mit den Musikern seiner Camarata Carnaval auch nach Neuss. Im RLT stellt er sein "Opus 16", wie er lachend sagt, vor. Das Motto gibt ein Lied vor, das er bereits vor einigen Jahren selbst getextet hat und seitdem ein mitgesungener Dauerbrenner in seinen Konzerten ist: "Ihr künnt mich ens besöke kumme". Wie unschwer zu erkennen, ist Sondermeier ein gebürtiger Kölner. "Durch und durch", sagt er und lacht (was er eigentlich ständig tut), als er betont: "Aber ein Karnevalist bin ich nicht!"

Und das geht? Für Sondermeier schon. Denn so bestimmt, wie er einem Anrufer bescheidet, dass er natürlich auch kostümiert ins RLT kommen dürfe, so genau weiß er auch, dass an Karneval etwas dran sein muss: "Den gibt es schon seit 2000 Jahren, und selbst die Kölner bekommen ihn nicht kaputt." Das größte Übel ist für ihn die Fernseh-Präsenz der Karnevalisten. "Bei mir haben auch schon TV-Sender angeklopft", sagt er, aber er hat die Zusammenarbeit im Gegensatz zu der mit einem Radiosender abgelehnt: "Ich mache lieber Hörspiele, da kann man seine Fantasie spielen lassen."

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Seine Konzerte geben das auch her, meint er. Musik findet er etwa bei Henri Bohlman Sauzeau, Jacques Prévert, Felix Mendelssohn Bartholdy oder Friedrich Holländer, Eric Satië, Wolfgang Amadeus Mozart und Jupp Schmitz. Aber sie ist nicht alles. Sondermeier moderiert, reichert das Programm mit vielen Texten an, die er zum großen Teil selbst schreibt. Verzällchen gehören dazu, aber auch Erklärstücke in Hochdeutsch. "Ich bin ständig dabei, neue Dinge zu finden", sagt er. Wie etwa den Brief von dem jungen Mendelssohn 1831 an die Eltern über den Karneval in Rom. "Das ist zauberhaft geschrieben", sagt er begeistert, "da erübrigt sich die Frage, wie er als Jude und Protestant, der auch noch in Hamburg geboren wurde, über den katholischen Karneval schreiben konnte."

Von Hause aus ist Sondermeier nicht mal Musiker. Er ist Kunsthändler, lebt in Neunkirchen-Seelscheid, wo es in seinem Kunsthaus natürlich auch einen Veranstaltungssaal gibt: "Ein alter Tanzsaal mit Tischen." Etwa 100 Zuschauer passen da hinein, denen er regelmäßig auch sein Camarata-Programm anbietet. Dass er auch im Theater spielt, das Publikum wie eine Front vor sich hat, ist er allerdings gewohnt. Und: "Ich halte es mit Jacques Offenbach", sagt er und lacht, "der hat mal gesagt: Das Publikum ist Teil meiner Inszenierung." Einem Richard Wagner dagegen, "den ich überhaupt nicht schätze", wie Sondermeier betont, seien die Zuschauer egal gewesen.

(hbm)